Duisburg: Austausch mit viel Theater
VON HANNA KLIMPE - zuletzt aktualisiert: 20.08.2007Duisburg (RPO). In Duisburgs Partnerstadt Gaziantep bringen Jugendliche Brecht auf die Bühne.
Fünf Freunde finden eine im Sand vergrabene Schatztruhe, in der sich Kostüme, ein Megaphon und das Skript zu „Die Gewehre der Frau Carrar“ befinden. Sie beschließen, den Strandtag sausen zu lassen und stattdessen Theater zu spielen. So beginnt die Version des Brecht’schen Klassikers, den Regisseur Kemal Demir mit seiner jungen Truppe einstudiert hat. Mit Hawaiiketten, Bolero und sichtlicher Spielfreude präsentieren die 15- bis 20-jährigen Nachwuchstalente der Theatergruppe des „Kiebitz“ die im Originaltext eher ernste Geschichte von Frau Carrar, die ihre Söhne nicht im Bürgerkrieg verlieren möchte. „Wir haben eine ungewöhnliche Inszenierung erarbeitet, die komödiantische und tragische Elemente vermischt“, erklärt Demir. Seit zwei Wochen laufen die Proben.
Brecht in Gaziantep
Die Aufführung wird Mitte September in der Duisburger Partnerstadt Gaziantep stattfinden. Dort, in der anatolischen Metropole, hat eine türkische Theatergruppe ihre Interpretation des Stückes einstudiert. In einem zweiwöchigen Jugendtheaterprojekt vom 15. bis zum 29. September werden die beiden Gruppen in Workshops zusammenarbeiten und auch eine türkisch-deutsche Version ausarbeiten. Im Februar kommenden Jahres werden die Gruppen dann im Austausch in Duisburg ein Werk eines türkischen Autors aufführen.
Die jetzige Theatergruppe des Marxloher Jugendzentrums Kiebitz, die seit September 2006 existiert, ist für sich genommen schon interkulturell. Die 17-jährige Yadigar Uzun ist bilingual aufgewachsen. Ihr Schauspielkollege Julian Schwerdt hingegen fährt im September zum allerersten Mal nach Gaziantep und war auch noch nie anderswo in der Türkei. „Ich freue mich aufs Theaterspielen, aber auch darauf, die Kultur kennenzulernen und neue türkische Freunde zu gewinnen“, sagt er.
Für die Daheimgebliebenen wird die Aufführung im Stadttheater von Gaziantep auf Video aufgenommen und zusätzlich im Februar in Duisburg noch einmal aufgeführt. Bis dahin wird vielleicht die eine oder andere sprachliche und kulturelle Barriere überwunden sein.
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