Duisburg: Baden in Melancholie
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012Duisburg (RP). Im Kammerkonzert in der Philharmonie Mercatorhalle brachten die Sopranistin Dorothee Mields und die "Sirius Viols" um die Gambistin Hille Perl viel Musik von dem Spätrenaissance-Meister John Dowland.
Im kommenden Jahr feiert die Musikwelt den – zumindest nach eigenen Angaben – 450. Geburtstag des englischen, aber international tätigen Lautenisten und Komponisten John Dowland (1563-1626). Im jüngsten, fünften Kammerkonzert in der bemerkenswert gut gefüllten Duisburger Philharmonie Mercatorhalle brachten die Sopranistin Dorothee Mields und die "Sirius Viols" um die nicht weniger prominente Gambistin Hille Perl jetzt Lieder und Ensemblemusik des Spätrenaissance-Meisters.
Überirdisch schöne Stimme
Das war nun ein großartiges Baden in Melancholie, die im elisabethanischen England nicht nur ein alltägliches Phänomen war, sondern auch ein erstrebenswerter Seelenzustand, in dem sich himmlische Kräfte äußern konnten. Der zeitlose und tiefere Sinn von Dowlands Musik liegt nach den treffenden Worten von Hille Perl darin, "an die Eigentümlichkeit des Menschseins erinnert zu werden, unsere eigene Vergänglichkeit begreifen zu müssen - weswegen auch die Verzweiflung und Depression urmenschliche Eigenschaften sind, die nur durch die Transformation in melancholische Kunst erträglich werden können."
Bald Nash Ensemble
Im nächsten, sechsten Kammerkonzert am Sonntag, 18. März, um 19 Uhr, spielt das renommierte britische Nash Ensemble Werke von Joseph Haydn (Streichquartett B-Dur op. 76 Nr. 4 Hob. III:78), George Enescu (Klavierquartett Nr. 2 d-Moll op. 30) und Johannes Brahms (Klavierquintett f-Moll op. 34).
Karten im Stadttheater unter Tel. (0203) 3009-100.
Das war ein geschickt disponiertes Programm, bei dem instrumentale und vokale Werke abwechselten. Als stillen Rahmen spielte der Lautenist Lee Santana jeweils eine der rund 75 Solokompositionen von Dowland, nämlich die "Forlorn Hope Fancy" und die "Farewell Fancy". Fehlen durfte natürlich nicht das berühmte Lied" "Flow my teares" ("Fließt, meine Tränen") und dessen Instrumentalfassung "Lachrimae Antiquae Novae".
Getragen wurde der Abend vor allem von der überirdisch schönen Stimme von Dorothee Mields. Bei ihrem "Time stands still" schien die Zeit wirklich stillzustehen. Allerdings erforderte es in dem großen Konzertsaal enorme Konzentration, die wenigen und äußerst subtilen Abwechslungen und Details dieser Musik zu verfolgen. Zumal Dowland zwar durchaus auch die Hoffnung des Liebenden komponierte, etwa in dem Lied "Clear or cloudy" ("Mit klarem oder umwölktem Blick") - aber gleichfalls eher verhalten. Und die "Sirius"-Gambistinnen Hille Perl, Julia Vetö, Juliane Laake sowie Sarah und Marthe Perl fanden hier erst nach der Pause zu einer plastischen Darstellung der Polyphonie, am besten in dem Mottostück "Semper Dowland, semper dolens".
Die einzige Zugabe sagte Lee Santana ironisch als "etwas Trauriges" an – es war aber ein ganz heiteres Lied über eine Nachtigall.
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