Duisburg: Bahn fahren und über die Enkel plaudern
VON CHANTAL FRANCO - zuletzt aktualisiert: 21.11.2009Duisburg (RPO). "Der öffentliche Personennahverkehr ist für viele Senioren zu undurchsichtig und verwirrend", stellt Peter Scharping vom Kundenmanagement der Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) fest. Dem versucht seit Mai diesen Jahres der Seniorenbegleitservice der DVG abzuhelfen.
In Kooperation mit der ARGE werden für dieses Beschäftigungsprojekt Langzeitarbeitslose gezielt im Umgang und der Kommunikation mit älteren Menschen geschult. "Die Teilnehmer lernen, auf die speziellen Bedürfnisse von Senioren einzugehen", erklärt Birgit Mölders, stellvertretende Geschäftsführerin der ARGE.
Rita Morsbach ist eine der zwölf Seniorenbegleiter. Sie ist bereits von Anfang an mit dabei. Besonders schätzt die 56-jährige den Kontakt zu Menschen und die Hilfestellung, die sie leisten kann. "Ich begleite die Senioren hauptsächlich zu Arztterminen, aber auch zu kleineren Einkäufen oder Besuchen", erzählt sie.
Viele Senioren seien allein und würden sich daher über die Begleitung und die Gespräche freuen. "Dadurch erfährt man viel aus dem Leben der Kunden. Wie sei leben oder was die Kinder und Enkel machen", berichtet Rita Morsbach lächelnd.
Neben dem Abholen von der Haustür, über das Ein- und Aussteigen in Bus und Bahn, hilft sie auch beim Heraussuchen von Fahrverbindungen oder bei Problemen am Ticket-Automaten. Die Senioren sollen dadurch mehr Sicherheit gewinnen und motiviert werden, das Haus auch allein zu verlassen.
Das Konzept kommt bei den Nutzern gut an: Bereits 60 Stammkunden habe der Service, so Scharping. "Und wer ihn einmal in Anspruch genommen hat, der kommt wieder", sagt er. Das Beschäftigungsprojekt ist zunächst jeweils auf ein Jahr beschränkt. "Langzeitarbeitslose haben oftmals resigniert", so Birgit Mölders. "Durch die Maßnahme erhalten sie eine neue Perspektive." Im Einzelfall bestehe auch die Möglichkeit der Übernahme in eine Festanstellung bei der DVG. So wurden zwei Seniorenbegleiter zu Busfahrern umgeschult. Ab dem Frühjahr, nach dem Bestehen der Prüfung, werden sie Busse der DVG fahren.
Auch für Rita Morsbach wäre eine Übernahme oder zumindest die Verlängerung der Maßnahme eine Chance. Birgit Mölders: "In jedem Fall sind durch die Qualifizierung die Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt gestiegen."
Senioren ab 60 Jahren, die den Begleitservice in Anspruch nehmen möchten, melden sich einen Tag im Voraus unter Tel. 0203 6044585. Benötigt wird lediglich ein gültiger Fahrausweis. Weitere Kosten entstehen nicht.
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