Duisburg: Bandenkrieg im Rotlichtviertel
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 02.11.2009Duisburg (RPO). Das Duisburger Rotlichtviertel zwischen Vulkan-, Julius-Weber- und Charlottenstraße wurde am Wochenende Schauplatz einer Massenschlägerei rivalisierender Rockergruppen. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an.
Der Rockerkrieg zwischen den rivalisierenden Gangs der Bandidos und der Hell's Angels ist scheinbar auch in Duisburg vollends entbrannt. Nachdem Anfang Oktober ein 32-jähriges Mitglied der Bandidos vor dem Lokal "Fat Mexican" an der Charlottenstraße durch einen Schuss tödlich verletzt wurde, hatte die Polizei von einer Beziehungstat gesprochen. Der mutmaßliche Schütze, ein 31-Jähriger, dem Kontakte zu den "Hell's Angels" nachgesagt werden, habe aus Eifersucht geschossen, weil ihm der Bandido seine Freundin ausgespannt habe.
Nebelgranate
Trotzdem war der Polizei klar, dass es weitere Rivalitäten zwischen beiden Gruppen geben würde. Seit dem tödlichen Schuss beobachtet die Polizei die Charlottenstraße aus einem Wagen von schräg gegenüber. Doch auch diese Maßnahme konnte die Massenschlägerei am Samstagabend nicht verhindern. Die "Hell's Angels" seien "wie auf Kommando" angerückt, so die Polizei. Um 21.10 Uhr brach auf der Charlottenstraße ein Chaos aus: Scheiben gingen zu Bruch, Möbel wurden zertrümmert, das "Fat Mexican" schwer in Mitleidenschaft gezogen. Eine Nebelgranate sorgte für zusätzliche Verwirrung. Dass die Beteiligten beider Gruppen nicht besonders zimperlich miteinander umgehen, ist bekannt. "Wir mussten Verstärkung anfordern. Überall aus der näheren Umgebung wurden Streifenwagen angefordert", so ein Polizeisprecher. Bereits gegen 22 Uhr war an der Charlottenstraße schon wieder so etwas wie die Ruhe nach dem Sturm eingekehrt. Dafür gibt es im Laufe der Nacht noch Anschläge auf andere Lokale der Rockerbanden in Solingen und Essen. Die Hintergründe für die Schlägerei in Duisburg sind unklar. Offensichtlich waren die "Hell's Angels" zu einer Aktion verabredet. Sie kamen auch aus anderen Städten angereist.
Seit zehn Jahren
Die Bandidos wurden 1966 in Houston (Texas) von ehemaligen Vietnam-Veteranen gegründet. Ihr Duisburger Quartier an der Charlottenstraße fällt durch die auffällige gelb-rote Fassade ins Auge. Das Umfeld ist vom Rotlicht-Milieu geprägt. Das "Chapter Duisburg" der Bandidos gibt es bereits seit zehn Jahren. In einigen Bundesländern werden die Bandidos wegen des Verdachts auf Organisierte Kriminalität (OK) vom Verfassungsschutz beobachtet.
Vorherrschaft im Milieu
Dabei ging es wohl nicht nur um die Auseinandersetzung zwischen dem im Oktober erschossenen Bandido und dem mutmaßlichen Schützen. Der befindet sich zurzeit in Untersuchungshaft. Beiden Rockerbanden werden Kontakte zur Organisierten Kriminalität (OK) nachgesagt. Dabei geht es vor allem um Delikte, die mit Drogen, Waffen, Prostitution oder Körperverletzung zu tun haben.
Ein Teil des Rotlichtmilieus in Duisburg soll von den Hell's Angels kontrolliert werden. Da die Bandidos ihren Sitz in unmittelbarer Nähe haben, laufen sich die Mitglieder der verfeindeten Organisationen zwangsläufig häufiger über den Weg.rp-online.de/duisburg
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