Duisburg: „Deutsche Eidechsen“
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 24.04.2007Duisburg (RPO). Die Sonne ist da! Die Duisburger genießen den Hauch mediterranen Lebensgefühls, essen und trinken im Freien. Inzwischen bieten über tausend Gaststätten den Platz an der Sonne an. Mehr werden es aber wohl nicht werden.
Die Eisbecher spiegeln sich in den dunklen Sonnenbrillen. Unweigerlich zaubern die Sonnenstrahlen ein Lächeln auf die Lippen. Die warmen Tage sind da, und die Menschen genießen es, draußen zu sitzen. „Ich beobachte einfach gerne die vorbeigehenden Menschen“, erklärt die 87-jährige Rosa Heuser, die mit ihrer Tochter Heike im Eiscafé sitzt. Die freut sich darüber, dass so viele Gastronomen Sitzplätze im Freien anbieten: „Man hat viel mehr Auswahl als früher.“
Außerdem verbringe man in der kalten Jahreszeit schon genug Zeit in geschlossenen Räumen. „Die Deutschen sind wie Eidechsen“, bestätigt Lilli Possamai. „Sobald die ersten Sonnenstrahlen auftauchen, wollen sie raus.“ Sie ist Geschäftsführerin des Eicafés Panciera. Als wirtschaftlich denkende Frau bedeutet ihre Außengastronomie in erster Linie ein Mehr an Platz. Auf diese Weise kann sie doppelt so viele Gäste aufnehmen, muss für diesen zusätzlichen Platz aber natürlich auch bezahlen.
Ähnlich sieht es Musa Ötztürk vom „Glashaus“: „Die Tische draußen sind vor allem wichtig für die Stadt.“ Dabei spielt er auf den mediterranen Flair an, den Essen und Trinken unter freiem Himmel verbreiten. Mit der Sonne ist ein Hauch mediterranes Lebensgefühls eben auch nach Duisburg gekommen. Man genießt das schöne Lebensgefühl einer italienischen Piazza. Andere Gaststätten nutzen jeden noch so kleinen Bürgersteig für einen Tisch mit zwei Stühlen. Für den Platz an der Sonne braucht es eine Genehmigung des Ordnungsamts. Wer außen bewirten will, muss Sondernutzung beantragen. Die wird jedoch meist gewährt. Es reicht, wenn eine Frau mit Kinderwagen noch vorbeikommt. Gezahlt wird nach Sondernutzungsgebührensatzung. Auf diese Weise mündet jedes südländische Lebensgefühl in einem deutschen Amtswort.
Inzwischen haben mehr als tausend Duisburger Gaststätten eine Erlaubnis zur Außengastronomie. Neue Anträge gibt es aber nicht. „Der Markt scheint gesättigt zu sein“, mutmaßt der Leiter des Ordnungsamts, Reinhold Mettlen.
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