Duisburg: „Ich hatte die Nase voll“
zuletzt aktualisiert: 17.12.2008Duisburg (RPO). Bei der Vertreterversammlung am Montag hat Bert Sebes für einen kleinen Eklat gesorgt. Er erhob schwere Vorwürfe gegen den SPD-Vorstand. Seiner Meinung nach wurde mit Petra Weis ein falsches Spiel gespielt.
Bert Sebes ist nach 50 Jahren Mitgliedschaft aus der SPD ausgetreten. Bei der Vertreterversammlung am Montag gab er, wie berichtet, sein Parteibuch und seine goldene Ehrennadel zurück. Ihm sei einfach der Kragen geplatzt, gestand der 76-Jährige jetzt im Gespräch mit RP-Redakteurin Sandra Kaiser.
War das eine Kurzschlussreaktion?
Sebes Gar nicht. Dieser Schritt war wohl überlegt. Denn schon beim Parteitag am 19. September hatte ich festgestellt, dass mit Petra Weis ein falsches Spiel gespielt wird.
Was meinen Sie damit?
Sebes Während man Petra Weis praktisch links liegen ließ, wurde für Bärbel Bas ganz rege Reklame gemacht. Sie und ihr Lebensgefährte, der bis Ende April 2006 Geschäftsführer der Duisburger SPD war und alle Tricks kennt, haben peu à peu alle auf ihre Seite gezogen und massiv Front gegen Petra Weis gemacht.
Sie haben den SPD-Vorstand direkt dafür verantwortlich gemacht, dass die 13 Delegierten aus Hochemmerich nicht mitwählen durften. Was ist an der Sache dran?
Sebes Für mich ist ganz klar: Unser Formfehler muss im Parteivorstand mit Freude aufgenommen worden sein. Sie haben uns absichtlich erst spät darüber informiert, so dass wir unseren Fehler nicht wieder gutmachen konnten. Denn sie wussten, dass wir Petra Weis unterstützen würden. Hätte man uns früher Bescheid gegeben, wäre noch die Möglichkeit da gewesen, eine Mitgliederversammlung einzuberufen und 13 neue Delegierte zu wählen. Aber so war alles zu spät. So saßen wir am Montag da wie dumme Jungs und mussten zusehen.
Warum sollte der Parteivorstand so etwas tun?
Sebes Ich habe so die Vermutung, dass Ralf Jäger ganz persönliche Absichten hat. Bärbel Bas musste nach Berlin gehen, sonst hätte sie ihm hier in Duisburg irgendwann seine eigene Position streitig gemacht. So kann sie ihm nicht mehr gefährlich werden.
Sie sind nach 50 Jahren Mitgliedschaft aus der Partei ausgetreten. Ist Ihnen das denn gar nicht schwer gefallen?
Sebes Natürlich. In der SPD hatte ich meine politische Heimat gefunden. Der Schritt war also nicht einfach für mich. Aber jetzt ist mir der Kragen geplatzt, ich hatte die Nase voll. Ich habe alle Höhen und Tiefen der SPD mitgemacht, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt. Deshalb bereue ich auch nichts.
Es gibt also kein Zurück?
Sebes Nein. Ich bin Ostfriese. Und wenn der einmal nein sagt, bleibt er auch dabei.
Ihr Parteichef hat Ihnen nach Ihrer Rede vor versammelter Mannschaft ein Gespräch unter vier Augen angeboten. Hat das schon stattgefunden?
Sebes Davon weiß ich gar nichts. Ich habe sofort den Saal verlassen und bin nach Hause gegangen. Bisher hat Ralf Jäger sich nicht bei mir gemeldet. Ich weiß auch nicht, ob er es tun wird. Und selbst wenn: Es hätte keinen Zweck.
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