Duisburg: „Vertraut den neuen Wegen“
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 02.10.2006Duisburg (RPO). Seit gestern hat die katholische Kirche in Duisburg ein neues Gesicht: Bislang selbstständige Gemeinden wurden aufgelöst, zugleich (Groß-)Pfarrgemeinden gegründet. Bischof Dr. Felix Genn predigte in Buchholz.
Gestern wurde die seit Monaten angekündigte Neuordnung der Pfarreienstruktur der katholischen Kirche in Duisburg Wirklichkeit: Die bislang selbstständigen Gemeinden, die zum Bistum Essen gehören (rechtsrheinisch vom Süden bis Hamborn), wurden aufgelöst und großen Pfarrgemeinden zugeordnet. Seit gestern gibt es nur noch die Pfarrgemeinden St. Michael (für Ruhrort/Meiderich), Liebfrauen (Stadtmitte) und St. Judas Thaddäus (für den Süden). Die Gründung der Hamborner Pfarrei St. Norbert wird zum 1. Dezember erfolgen. Für viele Katholiken dieser Stadt ist diese Umstrukturierung, zu der sich Bischof Dr. Felix Genn gezwungen sah, um ein riesiges Schuldenloch zu vermeiden, eine bittere Entwicklung. Das wurde im Gottesdienst in der Buchholzer Pfarrkirche St. Judas Thaddäus von Ruhrbischof Dr. Felix Genn auch nicht verschwiegen.
Der Bischof sprach in seiner Predigt, die mit großem Respekt von den Gläubigen in der vollbesetzten Kirche aufgenommen wurde, von „Trauer und Schmerz, Ängsten und Sorgen“, die viele bei der Umstrukturierung empfänden. In Anspielung auf die finanziellen Nöte der Kirche, die zu dieser einschneidendsten Maßnahme führte, die jemals ein Bischof in Deutschland getroffen hat, meinte Genn: „Wir haben uns diese Stunde hier nicht ausgesucht.“ Der Bischof sagte, dass viele Detailfragen, die mit der Neuordnung verbunden sind, noch ungeklärt oder zu bearbeiten seien. Trotz aller Sorgen gebe es aber auch optimistische Anzeichen. Er, Genn, habe bei seinen Gesprächen mit Duisburger Katholiken gemerkt, dass eine „Hier-wächst-etwas“-Stimmung aufgekommen sei. Die Neuordnung könne und solle dazu beitragen, wieder das eigentliche Anliegen der Kirche, die Religion, ins Gespräch zu bringen.
Dieser Gedanke wurde zu einem Wendepunkt in der Predigt des Ruhrbischofs, der übrigens ohne Manuskript sprach. Er knüpfte an das Wort des Papstes an, dass Glaube wohl mit Vernunft, aber nichts mit Gewalt zu tun haben dürfe. „Auch nicht mit jener sublimen Gewalt, die wir manchmal selber angewandt haben“, sagte Bischof Genn wörtlich. Der Glaube müsse als Akt der freien Entscheidung begriffen werden. Die Gläubigen sollten „die Brüder und Schwestern, die guten Willens sind“, suchen, sagte Genn und fügte hinzu: „Auch bei den Muslimen.“
Am Schluss des Gottesdienstes, in der Ludger Schepers (53) als neuer Pfarrer der Großgemeinde St. Judas Thaddäus eingeführt wurde, zündete ein Pastor für jedes katholische Gotteshaus im Duisburger Süden eine große, handgearbeitete Kerze an. Pfarrer Schepers mahnte die anwesenden Gläubigen, Solidarität zu zeigen: „Für diejenigen, die draußen stehen, sind wir die Kirche“, sagte er.
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