Duisburg: Betrugs-Anklage gegen Doktor
VON JULIA HAGENACKER - zuletzt aktualisiert: 28.07.2007Duisburg (RPO). Seit gestern steht der Geschäftsführer einer inzwischen insolventen Duisburger Tagesklinik vor dem Landgericht. Der gebürtige Türke mit Titel im Namen soll Investoren und Gläubiger um rund 250 000 Euro gebracht haben.
Wenn es stimmt, was die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft, dann hat er sehr viele Leute um sehr viel Geld betrogen. Menschen, die sich womöglich von seinem Doktortitel blenden ließen; und die höchstwahrscheinlich davon ausgingen, in die ganzheitliche Behandlung psychisch und körperlich erkrankter Patienten zu investieren.
Bis vor drei Jahren, also bis Ende 2004, betrieb der promovierte gebürtige Türke, der seit gestern vor dem Duisburger Landgericht steht, eine Tagesklinik an der Hansastraße in Duissern: hochmodern, ausgerüstet mit teuren medizinischen Geräten, mit Computer- und Telefonanlage. Das Kapital für das kostspielige Projekt soll sich der 40-Jährige unter Vorspiegelung der eigenen Liquidität bei ausschließlich türkischen Landsleuten erschlichen haben. Die meisten zahlten bar, einige mehrfach – mal 5000, mal 10 000, mal 30 000 Euro. Insgesamt etwa 250 000 Euro kamen so unterm Strich zusammen. Die Anklagebehörde wirft dem einstigen Geschäftsführer und Mehrheitsgesellschafter der Klinikbetreiberin, einer GmbH, nun mehrfachen Betrug vor, außerdem Urkundenfälschung, Vorenthalt von Arbeitsentgelten und Insolvenzverschleppung. Um die Opfer von der eigenen Seriosität zu überzeugen, soll der Angeklagte unter anderem Verträge und Bankunterlagen gefälscht haben, die dem Betrachter ein beträchtliches Privatvermögen in Höhe von 800 000 Euro suggerierten. Bei Treffen mit potentiellen Investoren beteuerte er, selber Geld in die Tagesklinik stecken zu wollen. Sporadische Auszahlungen kleinerer Summen sollten bei den Betrogenen, laut Anklageschrift, Vertrauen wecken und sie zu weiteren Beteiligungen bewegen. Auch wurde die Klinik-Caféteria offenbar doppelt verpachtet, Arbeitsgeberanteile an der Sozialversicherung der Angestellten nicht an die Krankenkassen abgeführt, geleaste medizinische Geräte rechtswidrig zur Absicherung eigener Schulden übereignet, die Insolvenz nicht gemeldet, und, und, und. Nachdem der Schwindel aufflog, tauchte der Doktor, der selbst psychisch erkrankt sein soll, zunächst unter. Seit November 2006 sitzt er in Untersuchungshaft, derzeit im JVA-Krankenhaus Fröndenberg. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Dann soll sich der Angeklagte zum ersten Mal äußern.
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