Duisburg: Bosporus im Stadttheater
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 30.01.2009Duisburg (RPO). Die Duisburger Akzente (25. April bis 13. Mai) beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit der Türkei. Für das Schauspiel-Treffen wurden entsprechende Produktionen eingeladen; zum ersten Mal auch aus Instanbul.
Ein Fünftel aller in Duisburg lebenden Menschen hat einen türkischen "Migrationshintergrund". Das diesjährige Akzentethema "Bosporus – Tor der Kulturen" sei gewissermaßen überfällig gewesen, sagte gestern Duisburgs Kulturdezernent Karl Janssen. Vorgestellt wurden gestern die Produktionen, die von Michael Steindl, dem künstlerischen Leiter Schauspiel, zum Theatertreffen (25. April bis 13. Mai) ins Stadttheater eingeladen wurden.
Der Höhepunkt des Theatertreffens kommt am Schluss: Am Mittwoch, 13. Mai, wird als Deutschlandpremiere "Histanbul" gezeigt, ein Stück, das nach einem Erwachsenen-Comic von Kemal Gökhan Gürses auf die Bühne gebracht wird. In "Histanbul" geht es um einen Bau-Gutachter, der einer rätselhaften Frau begegnet, die er fortan auf den sieben Hügeln Istanbuls sucht. Das Stück ist wohl auch eine Liebeserklärung an die türkische Metropole, von der es in Frageform heißt: "Es mag viele Städte geben, die von Flüssen durchzogen werden, aber wie viele Städte gibt es, durch die ein Meer zieht?" Ebenfalls aus Istanbul ist das Gastspiel Ashura im Stadttheater zu erleben (3. Mai); ein Liederabend in zwölf verschiedenen Sprachen. Istanbul ist übrigens wie die Ruhrregion im Jahr 2010 Kulturhauptstadt.
Neben den Istanbuler Produktionen sind mit den Münchner Kammerspielen, dem Staatstheater Stuttgart und dem Berliner Theater "Hebbel am Ufer" überregional bedeutende Häuser mit Inszenierungen namhafter Regisseure in Duisburg zu Gast. Die vermutlich frechste Produktion kommt aus Berlin. Sie heißt "Jenseits – Bist du schwul oder bist du Türke". Fünf Schauspieler und eine Sängerin sorgen für eine Mischung aus Agitprop und Comedy. Die Ausgangsposition: Fünf Männer, die bereits im Jenseits sind, müssen sich entscheiden, ob sie "schwul oder Türke" sein wollen. Eine Erkenntnis des Stücks ist, dass eine solche Entscheidung totaler Quatsch ist. Der Weg zu dieser Erkenntnis, soll, so Steindl, mit viel Witz gepflastert sein.
Aus München wurde die Inszenierung "Schnee" nach dem gleichnamigen Roman des Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk für die Akzente eingekauft (6. Mai). "Medea" nach Euripides wird in der Stuttgarter Inszenierung von Völker Lösch am 9. und 10. Mai im Duisburger Stadttheater gezeigt, wobei der Medea-Part mit der Migrationsproblematik verbunden wird.Außerdem wird aus Frankfurt ein Theaterprojekt mit Jugendlichlichen türkischer Herkunft gezeigt, nämlich "Leyla & Medschun" nach den Romanen von Nizami am 11./12. Mai.
Darüber hinaus zeigt das Theater Duisburg die Eigenproduktionen "Schwarze Jungfrauen" (Teil eins und neuer Teil zwei; in Zusammenarbeit mit dem Westfälischen Landestheater Castrop Rauxel) an mehreren Abenden und die vorzügliche Spielttrieb-Inszenierung von Giraudoux' "Der Trojanische Krieg findet nicht statt", bei der Michael Steindl Regie führt.
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