Duisburg: Brücke über den Atlantik
VON ANNIKA MATHEIS - zuletzt aktualisiert: 28.07.2007Duisburg (RPO). Der Arbeitskreis Pari ist Bestandteil der Gemeindearbeit bei St. Peter in den Haesen. Er unterstützt die Arbeit von Glaubensschwestern in Sao Paulo, gibt Kindern aus den Elendsvierteln die Chance auf ein ganz normales Leben.
Amilton geht es gut. Es geht ihm sogar so gut, dass er studieren kann, Sport, wie er es sich immer gewünscht und vorgestellt hat. Keine Selbstverständlichkeit für einen 19-Jährigen, der in den Armenvierteln eines riesigen Molochs groß werden musste. Amilton Oliviera Silva, so lautet sein voller Name, hat Freunde, Menschen, die ihn unterstützen, die ihm eine Chance auf eine Zukunft bieten. Er hatte das Glück, dass es Menschen in Homberg gibt, die sich für die Ärmsten der Armen interessieren, ihnen Aufmerksamkeit und auch ein wenig finanzielle Unterstützung zukommen lassen.
Die helfenden Hände stammen aus der Kirchengemeinde St. Peter in den Haesen, genauer vom Arbeitskreis Pari. Diese Gruppe, die fester Bestandteil der Gemeindearbeit ist, schlägt ein Brücke der Partnerschaft zwischen den Andreas-Schwestern in Pari und eben der Pfarrgemeinde St. Peter – über den Atlantik, über eine Distanz von mehren tausend Kilometern. „Der Arbeitskreis Pari besteht seit 15 Jahren“, erklärt Klemens Lüke. Der 68-Jährige ist einer der Mitgleider des Arbeitskreises. Für ihn steht nicht nur die Hilfe im Vordergrund. Es ist vielmehr auch die Freude am Austausch mit den Menschen in Pari, die durch ihre Fröhlichkeit und Herzlichkeit begeistern.
Brasilientag
Während der Festwoche (12 bis 19. August) zum 40-jährigen Bestehen der Gemeinde St. Peter in den Haesen in Homberg gibt es am Montag, 13. August einen „Brasilientag“. Er beginnt um 8.30 Uhr mit einem Morgenimpuls. Schwester Mari aus Pari wird zu Gast sein und berichten. Um 19.30 Uhr startet ein bunter Abend angeboten, mit brasilianischem Tanz, Trommeln, Singen und einem Quiz zum Thema Brasilien.
„Regen oder Sao Paulo“
Die Andreas-Schwestern, eine von ihnen hat ihre Wurzeln in Homberg, kümmern sich bereits seit fast 30 Jahren um die Familien, die aus dem Nordosten Brasiliens in die 18-Millionen-Metropole Sao Paulo zogen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben und Arbeit. Im Nordosten des südamerikanischen Landes bildet die Landwirtschaft den Haupterwerb, Großgrundbesitzer machen kleinen Bauern das Leben schwer und der mangelnde Regen trägt sein Übriges dazu bei. „In Brasilien heißt es oftmals: entweder Regen oder Sao Paulo“, erklärt Klemens Lüke. Da der Regen oftmals ausbleibt, ist die einzige (Überlebens-) Möglichkeit für die Menschen die Großstadt, Sao Paulo.
Krank und unterernährt
Dort angekommen, landen sie im „Auffangkessel Pari“, wie Klemens Lüke es nennt. Ein Stadtteil, der aus allen Nähten platzt. In Häusern, die ursprünglich für zwei bis maximal drei Familien konzipiert waren, leben oftmals 40 Familien. Die sozialen und hygienischen Verhältnisse sind katastrophal. „Vor allem die Kinder sind häufig krank und unterernährt, tagsüber werden sie von ihren Müttern eingesperrt, weil diese arbeiten müssen“, erzählt Klemens Lüke.
Da wo die Eltern versagen, greifen die Andreas-Schwestern und auch die Gemeindemitgleider von St. Peter ein. „Pro Jahr fließen bis zu 40 000 Euro in das Projekt“, berichtet Klemens Lüke. Mittlerweile haben knapp 90 Kinder die Möglichkeit, Gemeinschaft zu erleben, zu lernen oder einfach nur eine warme Mahlzeit zu bekommen. Vielen von ihnen wird es dann so ergehen wie Amilton: In ein paar Jahren können auch sie sich vielleicht über einen Studienplatz freuen und erst Recht auf ein Leben außerhalb der Elendsviertel von Sao Paulo.
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