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Duisburg: Bürger fordern OB Sauerlands Rücktritt

VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 29.07.2010 - 18:54

Mehr als 400 Menschen haben am Donnerstagmorgen vor dem Duisburger Rathaus den Rücktritt des Oberbürgermeisters gefordert. Die Stimmung war aufgeladen. Eine Schweigeminute wurde eingelegt.

Die massive Holztür des wuchtigen Duisburger Rathauses ist verschlossen, bewacht von vier Polizisten. Die Stimmung ist angeheizt. Mehr als 400 Menschen stehen vor dem Rathaus und skandieren „Sauerland raus, Sauerland raus.“

Yvonne Schröder (20) ist eine von ihnen. Die Augen der jungen Frau aus Oberhausen sind rot unterlaufen, sie weint bitterlich. Die 20-Jährige war mit ihrem Freund Dominik Pavone (26) am Samstag im Todestunnel. Sie ringt um Worte, dann sprudelt es aus ihr heraus: „Die Polizei hat uns nicht geholfen. Warum haben die Polizisten nur zugeschaut, als die Menschen um ihr Leben kämpften?“

Alle sind schuld - Polizei, Bürgermeister und Veranstalter

Donnerstag, 10 Uhr. Fünf Tage nach der Katastrophe. Vor dem Rathaus versammeln sich Hunderte, um ihrer Wut auf die Stadt Duisburg und dem Veranstalter „Lopavent“ der Loveparade Luft zu verschaffen. Der gelernte Maler und gebürtige Duisburger Markus Schröder (40) hatte zur Demonstration aufgerufen.

Die meisten Gekommenen sehen in Oberbürgermeister Adolf Sauerland den Hauptverantwortlichen der Tragödie. Lautstark fordern sie ihn zum Rücktritt auf. „Der Bürgermeister, der Veranstalter und die Polizei sind schuld an der Katastrophe“, schreit Schröder in ein Megafone. „Die müssen zur Verantwortung gezogen werden.“ Die Demonstranten grölen. Viele halten Plakate hoch. „Sind Menschenleben nichts mehr wert?“, hat eine Frau mit vielen Fragezeichen versehen auf ein weißes Spannbetttuch geschrieben. „21-facher Mord. Sauerland tritt endlich zurück“, steht auf einem anderen Plakat.

Alpträume

Schröder sieht aber auch bei einigen Partybesuchern eine gewisse Mitschuld. „Die, die die Zäune im Tunnelbereich durchbrochen haben, nur um eine Abkürzung auf das Festivalgelände zu nehmen, tragen eine Mitverantwortung.“ Das sieht Marcel Mihelic (19) aus Essen nicht so. Er war einer von vielen, die die Zäune durchbrochen haben. „Wir haben keine Luft mehr bekommen und sahen keinen anderen Ausweg aus dem Tunnelbereich mehr. Deswegen haben wir die Zäune durchbrechen müssen und sind die Böschung hinauf geklettert.“

Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder und seiner Mutter steht Marcel in sich gekehrt unter den 400 meist wütenden Demonstranten am Rathaus. Wie so viele andere auch, will der 19-Jährige, dass endlich jemand Verantwortung für die 21 Todesopfer und die vielen Verletzten übernimmt. „Ich kann kaum schlafen seitdem. Und wenn, dann habe ich Alpträume. Jemand muss Verantwortung übernehmen“, sagt er.

Schweigeminute

Um 10.34 Uhr wird es ruhig. Eine Schweigeminute für die Todesopfer wird eingelegt. Nur noch das Klicken der vielen Fotoapparate ist zu hören. Dann zieht die Demonstranten zu einer Kundgebung in die Duisburger Innenstadt weiter. Oberbürgermeister Adolf Sauerland lässt sich nicht blicken. Die massive Rathaustür bleibt weiterhin verschlossen


 
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