Duisburg: Busse – teilweise katastrophal
VON ANJA STREICHAN - zuletzt aktualisiert: 28.08.2009Duisburg (RPO). Regelmäßig führt die Polizei Kontrollen der Duisburger Schulbusse durch. Die RP war gestern früh mit den Beamten fehlenden Sicherheitswesten und abgefahrenen Reifen auf der Spur.
Gerade wenn es um Kinder geht ist Sicherheit das oberste Gebot. Doch in Schulbussen wird dieses Gebot oft vernachlässigt. Ob nun ausrangierte Linienbusse kurzerhand – und unerlaubterweise – mit zusätzlichen Sitzgelegenheiten bestückt werden, Haltestangen keinen Prallschutz aus Kunststoff aufweisen oder die Busse bei der kurzen Fahrt zum Schwimmbad so überfüllt sind, dass einige Kinder stehen müssen – Mängel gibt es viele.
Deshalb überprüft die Polizei Duisburg regelmäßig die Sicherheit von Schulbussen. So auch am Donnerstag vor der Behindertenwerkstatt am Kalkweg in Duisburg Wedau und vor dem Schwimmbad an der Großenbaumer Allee. Die Polizei untersuchte sieben Busse – und vergab zwei Strafanzeigen sowie sieben Ordnungswidrigkeitsanzeigen, meist wegen überschrittenen Lenkzeiten.
Kontakt
Oftmals fallen den Betroffenen selbst als erstes Schäden und Unstimmigkeiten in Zusammenhang mit den Schulbussen in Duisburg auf. Eltern, Schüler und Lehrer können Mängel an Schulbussen an die ESD weitergeben. Betriebsleiterin ist Carmen Scherhag, Tel. 0203 283 3832.
"Besonders zu Anfang des Schuljahres sind die Zustände der Busse teilweise katastrophal. Wegen der großen Nachfrage wird von den Betreibern alles aus den Garagen geholt, was noch fährt.
Bei unseren stichprobenartigen Kontrollen entdecken wir oft Mängel, wie fehlende Feuerlöscher und kaputte Sitzbänke", weiß Oberkommissar Volker Rademacher zu berichten. Erst am Mittwoch wurde bei einer der Routinekontrollen ein Bus stillgelegt, in dem eine zusätzliche Sitzbank eingebaut wurde.
Fahren ohne Fahrerlaubnis
Strafanzeige wurde gegen einen Fahrer erstattet, der Schüler ohne Fahrerlaubnis befördert hatte. Er war kurzfristig für einen Kollegen eingesprungen, obwohl sein Führerschein der Klasse D seit dem 31. März 2009 abgelaufen war.
Ausreden hatte er einige: "Ich habe die nötigen Dokumente bereits vorgelegt, aber da mein Führungszeugnis fehlte, habe ich keinen vorläufigen Führerschein bekommen." Auch für seinen Arbeitgeber wird das ein Nachspiel haben: "Der Halter ist schließlich für sein Fahrzeug verantwortlich," so der Polizist.
Ein anderer Busfahrer konnte weder wichtige Ausrüstungsgegenstände, noch seinen Lenkzeitennachweis finden. "Nach allem was wir wissen könnte dieser Fahrer auch gerade aus Spanien gekommen sein. Er durfte keine Kinder mehr transportieren", so Polizeisprecher Achim Blättermann.
Carmen Scherhag von der ESD (Einkauf und Service Duisburg) die für die Ausschreibung der Schulbusfahrten zuständig ist, zeigte sich aber noch nicht beunruhigt.
"Wenn so etwas öfters passiert, würden wir natürlich den Betreiber wechseln." Für die Schulbusfahrten würden die Busunternehmen ausgewählt, die das günstigste Angebot machen und die besten Kapazitäten haben. "Der Betreiber versichert uns schriftlich die Verkehrssicherheit seiner Fahrzeuge. In zufälligen Kontrollen wird dann, unabhängig von der Hauptuntersuchung, die Verkehrssicherheit durch die Polizei überprüft", so die Expertin. Diese würden mit größter Sorgfalt durchgeführt, schließlich gehe es um die Sicherheit der Kinder.
Lange Kontrollen
Gestern nahmen die Beamten die drei Schulbusse von innen und außen unter die Lupe. "Eine Untersuchung kann 30 bis 45 Minuten dauern. Da kann man keine Rücksicht darauf nehmen, dass Fahrpläne einzuhalten sind. Auch wenn die Fahrer oft nicht glücklich darüber sind", sagte Volker Rademacher bestimmt, während er sich wieder über den Reifen des Busses beugte.
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