Duisburg: Charme der 80er stört nicht
VON CHRISTINA RENTMEISTER - zuletzt aktualisiert: 28.06.2012Duisburg (RP). Der Jugendkeller Baerl existiert als Treffpunkt für Kinder und Jugendliche seit 27 Jahren. Die Theke von damals gibt es noch heute, und auch der Flipperautomat erinnert an die Anfänge. Die Besucher wissen das zu schätzen.
Mattes Licht scheint durch die Eingangstür in den langgezogenen Kellerflur des Gemeindehauses der Evangelischen Kirchengemeinde Baerl. An den Wänden hängen links wie rechts Fotos, Kollagen und Bilder. Schnell fällt einem beim Betreten des Flurs der alte Kicker auf – mit Männchen, die ihre besten Tage zwar schon hinter sich haben, die aber noch gut genug sind, um damit ein ordentliches Kickerturnier zu veranstalten.
Der Duft der frisch gemähten Wiese vor den Kellerfenstern mischt sich mit dem klammen Geruch von Holzwänden. Aus dem ersten Raum schallt Rockmusik; geht man ein paar Schritte weiter, hört man die Stimmen einiger Kinder. Es ist kurz nach 16 Uhr, und die ersten Besucher haben sich bereits im Jugendkeller Baerl (JuKe) an der Schulstraße 5 b eingefunden. Felix, Niclas und Janis haben draußen Fußball gespielt, machen jetzt aber eine kurze Pause.
Öffnungszeiten
Der Jugendkeller Baerl hat an allen Werktagen geöffnet, und zwar von 16 bis 21 Uhr. Freitags beginnt die "Offene Tür" allerdings erst um 18.30 Uhr, da zuvor der Konfirmandenunterricht dort stattfindet. Immer mittwochs gibt es in der Zeit von 16 bis 18 Uhr das Kindercafé, das vor allem Grundschülern Raum zum Spielen und Zusammensein bieten soll. In der Regel ist Carsten Kirchholtes die einzige Betreuungsperson.
Theke als Treffpunkt
An der Theke bestellt sich Felix bei Jugendleiter Carsten Kirchholtes ein Malzbier. Die beiden anderen holen sich statt etwas zu trinken einen Double-Dip – das ist der Brausestick plus Schleckpulver, der in den 80er Jahren besonders beliebt war. Und das ist nicht das Einzige, was hier an die 80er Jahre erinnert.
Auch die Theke aus Backsteinen und verschnörkeltem, gusseisernen Gerüst sowie die mit Holz verkleideten Wände erinnern stark an die Anfangszeiten des JuKe. "Meine beiden Vorgänger als Jugendleiter haben auch schon die ,Offene Tür' gemacht, so dass es diese seit mindestens 27 Jahren gibt", sagt Carsten Kirchholtes. Kontinuierlich sei der Jugendkeller mit mehr Equipment ausgestattet worden.
Und da die Kinder und Jugendlichen sorgsam mit den Gegenständen umgingen, blieben auch Theke und Kicker gut erhalten. "Welches Jugendzentrum hat schon neben den klassischen Angeboten wie Kicker und Billard auch einen Air-Hockey-Tisch, Computer und einen Flipper zu bieten?", fragt der Jugendleiter.
Diese Ausstattung könnte auch ein Grund dafür sein, warum nicht nur Kinder ab dem Grundschulalter ihre Nachmittage gerne in und um den JuKe verbringen, sondern auch viele junge Erwachsene, die bereits eine Ausbildung oder ein Studium begonnen haben. "So klassisch, wie unser Keller optisch wirkt, so ungewöhnlich ist das Publikum hier", sagt Kirchholtes. Viele der Stammgäste seien schon Mitte 20 und seit dem Kindesalter dabei. In den Räumen fühlten sie sich genauso wohl wie die Kinder, die der Charme der 80er Jahre überhaupt nicht störe.
Und so genießen es auch Felix, der extra aus Ruhrort in den Baerler Jugendkeller kommt, und seine Freunde, auf den bunt bemalten Barhockern an der alten Theke zu sitzen und Freizeitpläne zu schmieden.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.






dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.