Duisburg: Damit Schönes schön bleibt
VON NILS HERRMANN - zuletzt aktualisiert: 01.07.2008Duisburg (RPO). In der denkmalgeschützten Zechensiedlung Johannenhof lebt es sich fast wie auf dem Dorf.
Damit der ursprüngliche Stil der Häuser erhalten bleibt, hat die Stadt gestern eine Gestaltungsfibel vorgestellt.homberg Wer durch eines der beiden Rundbogentore an der Lauerstraße schreitet, betritt einen Mikrokosmos, der wie abgeschirmt von der hektischen Außenwelt zu sein scheint. Kein Verkehrslärm stört die dörfliche Idylle. Auf den schmalen rechtwinklig angelegten Straßen der Siedlung Johannenhof fahren kaum Autos. Nur wenige Menschen sind auf den Gehwegen zu sehen. Längsseits der Straßen erheben sich gleichförmige zweigeschossige Reihenhäuser, die von verspielten Dachgauben gekrönt werden. Weiße Sprossenfenster und mehrheitlich grün gestrichene Eingangstüren setzen freundliche Farbakzente im grauen Rauputz der Fassaden.
Im Ersten Weltkrieg erbaut
Manche Häuser der denkmalgeschützten, nach Plänen des Architekten Vallentin zwischen 1913 und 1914 erbauten Siedlung für Beamte und höhere Angestellte der Zeche Rheinpreußen, weichen jedoch in einigen Details vom ursprünglichen Erscheinungsbild ab. Hier wurde ein Carport in den Vorgarten gesetzt, dort eine weiße, anstatt der charakteristischen grünen Haustüren verbaut. „Ohne die Denkmalschutzbehörde würden hier noch viel mehr Veränderungen vorgenommen, die wir nicht gut heißen“, befürchtet Ratsherr Alois Fischer (CDU). Besonders private Hauseigentümer seien bei der Umgestaltung ihres Eigenheims manchmal recht freizügig, klagt der Aufsichtsratsvorsitzende der Wohnungsgenossenschaft Rheinpreußensiedlung, in deren Besitz die Siedlungshäuser überwiegend sind.
Von Bürgern gerettet
Die Johannenhof-Siedlung umfasst insgesamt 100 Gebäude. Sie wurden zwischen 1913 und 1914 im Auftrag der Zeche Rheinpreußen errichtet. Als die Kohleförderung in den 1960er Jahren eingestellt wurde, kaufte der Homberger Bauunternehmer Josef Kun die Rheinpreußen und die Johannenhof-Siedlung. Der neue Eigentümer begann mit der Sanierung im quadratisch-praktischen Plastik-Stil der späten 60er Jahre. Die Rheinpreußensiedlung wurde teilweise abgerissen und durch den Wohnpark Hochheide (besser bekannt als die Weißen Riesen) ersetzt.
Das Engagement einer Bürgerinitiative und der Konkurs des Bauunternehmers verhinderten 1973 einen vollständigen Abriss beider Siedlungen. 1979 wurde der Johannenhof unter Denkmalschutz gestellt. 600 Gebäude von ursprünglich 1800 in beiden Siedlungen konnten erhalten werden.
Ab sofort verspricht eine Gestaltungsfibel Abhilfe. Das 58 Seiten starke Handbuch, das die untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Duisburg mit finanzieller Unterstützung des Landes NRW aufgelegt hat, wurde gestern an die Haushalte der Johannenhof-Siedlung verteilt. Es enthält historische Fakten zur Entstehung der Wohnanlage und führt in einem Sanierungs- und Maßnahmenkatalog die Erhaltungs- und Gestaltungsziele für den Johannenhof auf.
Lange Wartelisten
„Damit Eigentümer das Besondere erkennen und ihr Denkmal selbst pflegen können“, erläutert Plaungsdezernent Jürgen Dressler. Durch die Berücksichtigung des Denkmalschutzes werde nicht nur das einheitliche Gestaltungsbild des Johannenhofes erhalten, sondern auch der Wert der Grundstücke. „Das macht sich später beim Verkauf bezahlt“, betont Jürgen Dressler.
Schwierig dürfte die Veräußerung von Häusern nicht sein. Die Siedlung sei sehr beliebt, versichert Alois Fischer von der Rheinpreußengenossenschaft. „Wir haben lange Wartelisten“. Besonders die Familienfreundlichkeit werde geschätzt. Wer einmal im Johannenhof wohne, der ziehe nicht so schnell weg. „Hier leben teilweise drei Generationen nebeneinander“, schwärmt Fischer. Bei so viel Verbundenheit mit dem (Eigen-) Heim sollte dessen Erhalt nicht am Denkmalschutz scheitern.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







