Duisburg: Das beredte Schweigen
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 25.08.2007Duisburg (RPO). Nach der Ermordung der sechs Italiener vor „Da Bruno“ herrscht in der Pressestelle der Polizei Hochbetrieb. Dort verwalten zwölf Beamte den Mangel an Informationen, die sie herausgeben dürfen und achten auf jedes Wort.
Jürgen Scheer verstaut das Mikrofon in seinem Wagen. „Inhaltlich war das nicht viel“, meint der WDR2-Korrespondent nach einem Interview mit einem Polizeisprecher. Wie Scheer ergeht es dieser Tage vielen Journalisten, die Informationen über die Ermittlungen zu den Mafia-Morden vorm Silberpalais haben möchten. Die Polizeipressestelle hüllt sich in beredtes Schweigen.
Viel sagen, wenig weitergeben: Genau das ist die Aufgabe von Uwe Weidmann, Mitarbeiter der Pressestelle im Duisburger Polizeipräsidium. Mit elf Kollegen sitzt er an einem runden Tisch, ein Telefon reiht sich an das andere. Bis Mittag hat er auf seiner privaten Strichliste bereits 160 Anrufe vermerkt – er allein. Seit Mittwoch besteht sein Arbeitstag aus zwölf bis 16 Stunden. „Die landen alle auf dem Überstundenberg“, seufzt er.
Normalerweise leitet Weidmann die Polizeiausbildung. Doch normalerweise sitzen auch nur zwei Beamte in der Pressestelle. Für eine „Großlage“ wie die jetzige nach dem Mafia-Mord wurde er in Sachen Öffentlichkeitsarbeit geschult. Einen solchen Medienandrang hat der 48-Jährige aber selten erlebt: „Vor zwei Jahren hat der sogenannte Pokemon-Mord einige Aufmerksamkeit erregt. Aber das hier hat ja internationale Ausmaße angenommen.“
Immer wieder rufen die deutschen Korrespondenten italienischer Medien an. Im Grunde wiederholt er sich ständig. Denn, wenn er neue Informationen hat, die für die Presse freigegeben sind, dann veröffentlicht er sie auch. Eines kommt ihm trotzdem nie über die Lippen: „Ich habe nichts Neues.“ Denn das, weiß Weidmann, hören Journalisten nicht gern. Und so sagt er Sätze wie: „Die Polizei kommentiert das nicht.“ oder „Wir gehen aktuell 400 Hinweisen aus der Bevölkerung nach.“
„Journalistischer Info-Hunger“
Das befriedigt den „journalistischen Info-Hunger“ – wie Weidmann die Neugier nennt – aber nicht wirklich. Und so haken die Redakteure nach, versuchen mit Taktik an neue Nachrichten zu kommen. Dann legt er jedes Wort auf die Goldwaage. Unter Umständen rutscht aber schon einmal eine unvorsichtigere Formulierung heraus, worauf der „journalistische Urtrieb“ (Weidemann) gleich anspringt. „Vor so schneller Auffassungsgabe ziehe ich den Hut“, sagt er. Damit auf diese Weise keine heißen Informationen nach außen dringen, weiß Weidmann auch nicht alles. „Manche Dinge sind auch für uns unter Verschluss.“
Trotz der Überstunden macht Uwe Weidmann diesen Job gerne. „Das ist ungeheuer aufregend. Manchmal lasse ich mich schon von dem Info-Hunger anstecken.“
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