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Duisburg: Das eigene Leben wiederentdeckt

VON HANS-ULRICH KRESS - zuletzt aktualisiert: 15.05.2008

Duisburg (RPO). Heinz Marbach war Bergmann mit Leib und Seele. Einen großen Teil seines Berufslebens hat er auf der Zeche Diergardt verbracht. An diese Zeit erinnerte er sich in der Rheinhauser Bergbausammlung, die am Sonntag ihr 25-jähriges Bestehen feiert.

Info

Filmvorführungen

Die Bergbausammlung wurde 1983 im ehemaligen Lichthof der Zeche Diergardt eröffnet. Nach der Götzen-Pleite erhielt sie 1998 ein neues Domizil in den Räumen der Caritas-Werkstätten an der Hochemmericher Straße. Seit dezember 2007 ist sie nun in der früheren Seniorentagesstätte Auf dem Berg beheimatet. Öffnungszeiten: donnerstags von 9 bis 16 Uhr sowie sonntag von 14 bis 16 Uhr. Führungen sind nach Absprache (Tel. 02065 21052 oder 02065 62959) möglich.

Am Sonntag, 18. Mai, feiert die Bergbausammlung ihren 25. Geburtstag. Erwartet werden Oberbürgermeister Sauerland und Alt-Bürgermeister Friedel Genender. Stündlich gibt es Film- und Modellvorführungen.

bergheim „Das musst du dir unbedingt einmal ansehen“, hörte der lange pensionierte Bergmann Heinz Marbach von einem alten Bekannten aus längst zurückliegenden Bergbautagen auf dem Bergheimer Wochenmarkt. Die Rede war von der Rheinhauser Bergbausammlung, die seit Dezember des vergangenen Jahres ihr neues Domizil in der früheren Tagesstätte „auf dem Berg“ in Bergheim im Schatten des Wasserturms bezogen hatte.

Heinz Marbachs bislang letzter Besuch in der Sammlung liegt viele Jahre zurück. Die Sammlung, damals selbst noch in ihrer Startphase in sprichwörtlichen „Kindersöckchen“ unter Obhut der früheren Firma Götzen im Lichthof der ehemaligen, stillgelegten Zeche Diegardt beheimatet, konnte ihn nicht zu Jubelstürmen hinreißen. Diesmal war es ganz anders. Bei seinem jetzigen Besuch fühlte sich der gelernte Bergmann in die eigene Vergangenheit zurückversetzt. Viele Ausstellungstücke ließen Bilder aus seinem eigenen Leben wieder lebendig werden. „Es ist erstaunlich und bewundernswert wie unzählige fleißige Hände es geschafft haben die Sammlung zusammenzutragen, die Exponate zu restaurieren, Modelle zu bauen, alles über mehrere Umzüge zu bewahren, vor einem Brand zu retten und in ansprechendem Rahmen hier in Bergheim wieder zu präsentieren“, lobt Heinz Marbach den Elan der Fördervereinsmitglieder, dessen Vorsitzenden Wilfried Brücksken und vor allen den ursprünglichen Initiator der Sammlung, Joachim Schulze. Er hatte erste Bergbaurelikte bei seinem damaligen Arbeitgeber Götzen zusammengetragen, den Förderverein ins Leben gerufen und über zwei Jahrzehnte als Vorsitzender geleitet.

Vor allem historische Fotos erinnerten Heinz Marbach daran, wie er selbst als Berglehrling am 14. Juni 1948 durch das Tor der Zeche Diergadt marschierte und die Markenkontrolle passierte. „Es ist kaum zu glauben, wie sich die Bergbaugeschichte und Rheinhausen entwickelt haben. Straßen und Häuser sind kaum wieder zu erkennen“, staunt Marbach, der nach seiner Berglehre zunächst als Hauer auf Diergardt arbeitete, später die Steigerschule besuchte, auf Mevissen als Steiger tätig war, nach der Schließung des letzten Rheinhauser Bergwerks auf die Schachtanlage Rheinpreußen in Moers wechselte, sich vom Steiger über den Fahrsteiger zum Obersteiger und schließlich zum Betriebsführer der Aus- und Herrichtung hocharbeitete. „Im Juni 1994 war nach 46 Jahren unter Tage, wie wir Bergleute sagen, die Hacke am Stoß“, erinnert sich der Bergman mit Leib und Seele Heinz Marbach, der zum Schluss seines Berufslebens, als Schachtbeauftragter den Teufbetrieb des Schachtes Rheinberg leitete.

Beliebt bei Schulklassen

Aus Rheinhausen ist der Bergbau bis auf wenige leicht zu übersehende Relikte verschwunden. Umso wichtiger sieht Heinz Marbach die Bergbausammlung, die mit ihren historischen Fotos, Dokumenten, Werkzeugen und funktionsfähigen Modellen der jungen Generation ein lebendiges Bild ihrer Heimat und der Arbeitsabläufe eines Bergwerks vermittele. Ohne Bergbau und Krupp wäre Rheinhausen nicht denkbar gewesen, meint er. Geradezu ein „Muss“ sei es, die Arbeit der Bergleute und Kruppianer erfahrbar zu erhalten. Gerade das sei das Anliegen seines Fördervereins, unterstreicht Vorsitzender Wilfried Brücksken. Schulklassen mit über 400 Schulkindern waren allein im vergangenen Jahr in der Bergbausammlung zu Gast.

Quelle: RP

 
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