Duisburg: Das Leben im Container
VON GOTTLIEB LEINZ - zuletzt aktualisiert: 10.08.2010Duisburg (RPO). Der 1959 in Grevenbroich geborene Künstler Wilhelm Mundt eröffnet den Ausstellungsreigen in der sogenannten Straßengalerie des umgestalteten und vor kurzem neu eröffneten Hauses. Eine neue Lichtinstallation präsentiert nun auch nachts das Museum.
Wilhelm Mundt (geb.1959 in Grevenbroich) ist der erste Künstler, der als Auftakt einer Ausstellungsserie die sogenannte Straßengalerie des Wilhelm-Lehmbruck-Museums bespielen kann. In dieser gleichfalls von allen späteren Wandverkleidungen befreiten Halle, die seit kurzem auch bei Dunkelheit durch eine neue Lichtinstallation ins Auge fällt, präsentiert nun Mundt 13 Müll-Container, ergänzt um je eine Arbeit auf der vorgelagerten Wiese der Düsseldorferstraße (eine frühe kettenartige Schlauchinstallation) sowie auf der Eingangsterrasse (zwei bearbeitete leere Flaschencontainer).
Leinz und Stecker
Der Autor dieser RP-Serie, Dr. Gottlieb Leinz, ist stellvertretender Direktor des Lehmbruck-Museums. Der neue Direktor des Museums, Prof. Dr. Raimund Stecker, hatte Leinz, der im Sommer das Recht hätte, in Pension zu gehen, "überredet", seinen Vertrag um ein Jahr zu verlängern, um die Kontinuität in der Museumsarbeit zu bewahren.
Arbeitsreste konserviert
Während Arman und Tinguely, HA Schult, Beuys ("Raum 90 000 DM" mit Giftfässern) und Chamberlain die ureigene Materialität und Ausdruckskraft von Schrott und Müll als Material ihrer Objektkunst akzeptierten, konserviert Mundt grundsätzlich alle Rückstände seiner Arbeit und seines Ateliers (allerdings kein Hausmüll) in seinen "Müllsteinen":
Reste von Plastiken früherer Werke, jede Menge Abfälle, Eimer, Plastik, alte Spielzeuge, ganze Fahrräder und Kisten. Dieses Sammelsurium seiner Produktion, eine marode "Kunstkammer" aus Dreck und Abfall, wird zu unterschiedlich großen Kugelhaufen mit glasfaserverstärkten Kunststoffen verschweißt und mit farbig geschliffenen Polyesterbahnen aufwändig überzogen. Bei der spiegelblanken Glättung der farbig imprägnierten Schichten können jene Flecken und Punkte entstehen, die der glänzenden und abgerundet gespannten Außenhaut ein ausgesprochen dekoratives Muster verleihen. Der entsorgte Müll nimmt nun in seiner Verkleidung ästhetische Qualitäten an und jedes Werk weist eine fortlaufende Werknummer auf.
Unförmige Steine, Knollen und erdige Feldkartoffeln, eigentlich wertlos und ohne Geschichte, scheinen sich nach Abschluss des Werkprozesses in kostbar verschlüsselte Kristalle und Schmuckstücke verwandelt zu haben. Auf diese konzeptuelle Strategie beruft sich Wilhelm Mundt, wenn er zudem an die ready mades von Marcel Duchamp erinnert und an die Maquetten-Studios von Moore und Arp, aber auch an die factories von Oldenburg und Warhol, die er als Student in Düsseldorf bewunderte. Seit 1989 schuf Mundt diese Container. Sie enthalten sein ganzes Leben, und er wird lebenslang nichts anderes als weitere Container herstellen.
Wenn er das "reine" Leben außerhalb des Containers spüren will, fährt er mit dem Auto durch die Felder und schreit lauthals – wie es ein Videofilm vorführt – nach den Kartoffeln, Rüben und Weizen, die in voller Pracht auf den Äckern stehen. Sieben dieser "Trashstones" hat der Freundeskreis des Lehmbruck Museums erworben und wird auch die in Vorbereitung befindliche Publikation zu dieser Ausstellung finanzieren.
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