Duisburg: Das plant Mingas für Baerl
zuletzt aktualisiert: 11.06.2009Duisburg (RPO). Mingas Power will nach Grubengas bohren und dieses in einem Kraftwerk in Strom umwandeln. Bei einer Sondersitzung der Bezirksvertretung standen Vertreter des Evonik-Tochter und der Bezirksregierung Arnsberg jetzt Rede und Antwort. Die Projektgegner verbuchen den Abend als Erfolg.
Was plant Mingas Power genau?
Das Unternehmen will auf einer Baulücke zwischen zwei Wohnhäusern an der Schulstraße 40 einen Bohrturm errichten. Damit soll in 650 Metern Tiefe Grubengas aus einem stillgelegten Stollen gezapft werden. Das Gas wird durch eine unterirdische Leitung fließen und in einem Kleinkraftwerk zu Strom verarbeitet, das 160 Meter weiter am Bendweg im Binsheimer Feld errichtet werden soll.
Was ist Methangas?
Methangas ist ein Treibhausgas, das noch sehr viel klimaschädlicher ist als CO2. Es ist ein Hauptbestandteil des Grubengases, das sich im Bergbau durch die Lockerung von Gestein bildet. Wird das Grubengas nicht abgesaugt, bahnt es sich seinen Weg an die Erdoberfläche und in die Atmosphäre. Durch die Anlage werden also einerseits Emissionen vermieden, gleichzeitig wird Strom erzeugt. Mingas Power gewinnt in ganz NRW an 35 Standorten (in aktiven und stillgelegten Bergwerken) Grubengas. Das reicht laut Projektleiter Andreas Brandt aus, um 250 000 Haushalte mit Strom zu versorgen – was in etwa der Stadt Duisburg entspricht.
Genehmigungen
Es gibt drei verschiedene Genehmigungsverfahren: Für die grundsätzliche Gewinnung von Grubengas hat die Bezirksregierung grünes Licht gegeben. Die Genehmigung für die Bohrung an der Schulstraße steht noch aus. Mingas muss noch ein Schallschutzgutachten einreichen. Auch die Genehmigung für die Verwertung des Grubengases ist noch nicht erteilt. Hier hielt die Bezirksregierung ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz mit Öffentlichkeitsbeteiligung für nötig. Die Antragsunterlagen liegen noch bis 24. Juni im Bezirksamt aus. Einwendungen sind bis 8. Juli möglich. Nach den Sommerferien gibt es einen Erörterungstermin. Gegen Jahresende will die Bezirksregierung endgültig entscheiden.
Warum will Mingas gerade an dieser Stelle mitten im Wohngebiet bohren?
Derzeit wird das Grubengas unter dem Binsheimer Feld noch in Walsum abgepumpt. Doch nach der Stilllegung des Bergwerks steigt der Wasserspiegel in dem Schacht immer weiter an. "Die Grubengasförderung wird dort bald nicht mehr möglich sein. Wir sind deshalb gezwungen, einen Ersatzstandort zu finden", so Brandt. Man könne nicht einfach irgendwo bohren, sondern müsse eine Stelle treffen, wo das Gas hin ströme und sich sammele. Nach Prüfung aller Alternativen – auch des Schachtes Gerdt – komme nur der Blindschacht 782 in Frage. Dieser unterirdische Schacht, der die Grubengas führenden Flöze miteinander verbinde, sei nur von dem Grundstück an der Schulstraße 40 aus erreichbar, da senkrecht gebohrt werden müsse. Eine Schrägbohrung ist laut Mingas zu ungenau. Damit treffe man die Grube nicht.
Warum kann nicht wenigstens das Kraftwerk weiter weg stehen?
"Wir arbeiten mit Unterdruck", erklärte Brandt. Das Gas werde nicht gepumpt, sondern gesaugt, und das sei nur über eine gewisse Entfernung möglich.
Mit wie viel Lärm müssen die Anwohner rechnen?
Um die Verwertungsanlage herum soll eine 7,50 Meter hohe Lärmschutzwand errichtet werden. Außerdem sollen Schalldämpfer und spezielle Kühlerlüfter zum Einsatz kommen. "Die Anlage wird keine Lärmbelästigung für die Anwohner darstellen", so Brandt. Andreas Nörthen von der Bezirksregierung Arnsberg, die in NRW für alle Bergbauangelegenheiten zuständig ist, betonte, dass auch nach Inbetriebnahme der Anlage der Lärmpegel regelmäßig überwacht werde. "Wenn die Grenzwerte nicht eingehalten werden, wird der Betrieb unterbrochen. Dann muss Mingas nachbessern." Was den Bohrlärm an der Schulstraße angeht, sollen laut Brandt "die Grenzwerte für normales Wohnen eingehalten werden". Mingas muss noch ein Schallschutzgutachten einreichen.
Wie sicher ist die Anlage?
Laut Mingas werden die Zusammensetzung des Gasgemischs sowie die Temperatur ständig überwacht. Die Anlage schalte bei Abweichungen sofort ab. "Von ihr geht keine Gefahr aus", so Brandt. Erschütterungen oder Hausschäden seien nicht zu befürchten. "Das ist physikalisch nicht möglich, weil nicht gepumpt, sondern gesaugt wird", so Nörthen.
Leidet die Umwelt?
Mingas hat einige Birken fällen lassen, es soll Ersatzpflanzungen geben. "Sonst sind keine weiteren Fällungen vorgesehen", so Brandt. Ökologen seien zu dem Schluss gekommen, dass es keine negativen Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt gebe.
Wie sieht der Zeitplan aus?
Die Bauzeit an der Schulstraße soll sechs Monate dauern. Der Bohrturm wird aufgestellt, der Schacht gebohrt, der Turm wieder entfernt und der Schacht ebenerdig abgedeckt. Die Anlage am Bendweg soll ab dem vierten Quartal 2010 in den geregelten Betrieb gehen. Fünf bis zehn Jahre sind angepeilt, bis kein Grubengas mehr da ist. Danach soll alles in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden.
Sandra Kaiser fasste die Vorträge von Mingas und der Bezirksregierung zusammen.
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