Duisburg: Das tanzende Skelett
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 10.02.2012Duisburg (RP). Nach dem Erfolg der Knienden-Ausstellung geht es im Lehmbruck-Museum fulminant weiter: Mit Georg Hornemann, Nicola Schrudde und Kris Martin bekommen drei grundverschiedene Gegenwartskünstler ein Forum.
Mit 30 000 Besuchern war die Jahrhundert-Ausstellung zu Wilhelm Lehmbrucks "Kniender" im Lehmbruck-Museum der erhoffte Erfolg. Besonders in den Wochen nach Weihnachten bis zum Ausstellungsende am 22. Januar war das Haus täglich sehr gut gefüllt.
Jetzt soll an diesen Erfolg angeknüpft werden, und die zahlreichen Journalisten, die gestern zur Vorbesichtigung der neuen Sonderausstellungen gekommen waren, stimmen Museumsdirektor Raimund Stecker optimistisch. Mit Georg Hornemann (Jahrgang 1940), Nicola Schrudde (Jahrgang 1962) und Kris Martin (Jahrgang 1972) bekommen in den kommenden Wochen drei grundverschiedene Gegenwartskünstler im Lehmbruck-Museum ein Forum.
Termine, Katalog
Alle drei Ausstellungen können ab sofort besichtigt werden. Die Ausstellung Georg Hornebach bleibt bis zum 11. März im Museum. Die Ausstellung "Glanz der Nacht" von Nicola Schrudde ist bis zum 15. April im Untergeschoss des Museums zu besichtigen, und die "Laokoon"-Gruppe von Kris Martin bleibt bis zum 17. Juni im Museum.
Der Katalog zur Hornebach-Schau liegt bereits vor und kostet an der Museumskasse 44 Euro.
Perfekt in jedem Format
Der international renommierte Düsseldorfer Goldschmied Georg Hornemann zeigte sich gestern sichtlich froh darüber, in einem anerkannten Museum seine Werke ausstellen zu dürfen. Schließlich ist es nicht selbstverständlich, dass die Grenzen zwischen "Schmuck" und "Kunst" so selbstverständlich verwischt werden, wie es jetzt geschieht. Dabei pocht Hornemann auf handwerkliches Können, das Grundlage seiner Kunst sein müsse. In einer eigens für das Museum geschaffenen Raumarchitektur, die an Wunderkammern erinnern soll, geht der Museumsbesucher an Hornemanns raffinierten Ringskulpturen und ungemein filigran gestalteten Figurinen vorbei, deren Motive vorzugsweise "lebendig-morbid" sind. Das tanzende Skelett aus Gold ("Gold ist die Haut der Götter", heißt es) ist dabei besonders eindrucksvoll. Es ist nur rund 17 Zentimeter hoch; auf dem Ausstellungsplakat erscheint es vierzigfach vergrößert – und wirkt auch dann noch perfekt. Die Hornebach-Schau verbindet Stecker kühn mit dem berühmten Gemälde "Die Versuchung des Heiligen Antonius", das Max Ernst 1945 geschaffen hat; eine freundliche Einladung, surreale Welten der Kunst zu besuchen.
Vom jungen belgischen Künstler Kris Martin stammt die Variation der weltberühmten Laokoon-Gruppe, die nun Blickfang in der großen Glashalle des Museums ist. Martin "kopierte" das 2000 Jahre alte, wohl bedeutendste Werk der antiken Kunst, allerdings ohne die Darstellung der todbringenden Schlangen.
Der Todeskampf des Vaters und seiner beiden Söhne wird somit auf eigentümliche Weise verallgemeinert. Fast witzig mutet gegenüber diesem Riesenwerk Martins kleine goldene Biene in einer großen Vitrine an.
Die Bildhauerin Nicola Schrudde studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie und war Meisterschülerin bei Klaus Rinke. Im Lehmbruck-Museum kann sie das Souterrain für eine große Installation nutzen. Die Künstlerin arbeitet behutsam mit Licht und Videoprojektionen, gestaltet aus Keramik Skulpturen, die wie riesige Schwämme wirken, die man unter Wasser als lebendige Organismen finden kann. Das Ganze wirkt wie eine künstlerische Zusammenschau von Technik, Natur, Wohlbefinden und Beklemmung. Auf ein Schlagwort lässt sich diese, bewusst "rätselhafte" Ausstellung, die den Titel "Glanz der Nacht" trägt, nicht reduzieren.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







