Duisburg: „Das war die Hölle“
VON BERND BEMMANN - zuletzt aktualisiert: 16.01.2007Duisburg (RPO). Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft spielt am 28. März in der MSV-Arena gegen Dänemark vor vollen Rängen. Natalie Theis stand gestern über acht Stunden in der Warteschlange, dann erst hatte sie „Erfolg“.
So etwas hat Duisburg noch nicht erlebt. Bereits gegen 6.30 Uhr bildeten sich lange Schlangen vor der Arena, die über den großen Parkplatz bis zum Kalkweg reichten. Der MSV bewirtete die geduldig anstehenden Fans mit Kaffee. Bis über acht Stunden Wartezeit mussten teilweise hingenommen werden.
Wer dann die heiß begehrten Tickets erworben hatte, durfte sich zu den Glücklichen zählen, beim Länderspiel gegen die Dänen dabei zu sein. Wer freilich den Weg zur Arena scheute und auf die Ticket-Hotline des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) setzte, konnte schon kurz nach zehn Uhr zu jenen zählen, die leer ausgegangen waren. Bereits wenige Minuten nach der Eröffnung des Vorverkaufs waren online keine Karten mehr verfügbar.
Die Bilanz
Drei A-Länderspiele hat Duisburg bis jetzt gesehen.
1910 gab es eine 0:3-Niederlage der deutschen Nationalmannschaft gegen Belgien.
1924 wurde gegen Italien mit 0:1 verloren.
Und 1933 freuten sich die Fans im Wedaustadion über den 5:1-Sieg gegen das belgische Team.
Die Hotline meldete rekordverdächtige Anruferzahlen. Bis in die späten Abendstunden ging der MSV davon aus, auch die letzten Tickets aus dem ihm zustehenden Kontingent im Zebra-Shop verkauft zu haben. Der „Hunger“ nach einem Spiel des Teams von Bundestrainer Joachim Löw war nach jahrzehntelanger Abstinenz gewaltig. Ausnahmezustand!
Natalie Theis war gegen 9.15 Uhr vor der Arena eingetroffen, reihte sich in die schier endlose Warteschlange ein und hatte um 17.50 Uhr endlich zwei Tickets für sich und Ehemann Jörn ergattert: „Das war die Hölle.“ Pro halbe Stunde ging’s ein paar Meter weiter in Richtung Ticketschalter. Der Weg zum Kartenglück führte durch die Eingangshalle der Arena über die rechte Treppe hinauf durch die Business-Lounge, dann über die linke Treppe wieder hinunter in den Fanshop, in dem die MSV-Mitarbeiter ins Schwitzen kamen. Immer nur 20 Fans wurden in den Verkaufsraum eingelassen, um Hektik zu vermeiden.
Natalie Theis, die es bis gegen 13 Uhr schon mal in die Lounge geschafft hatte, aber noch einen weiten Weg vor sich wusste: „Erst war die Stimmung ausgesprochen moderat, dann wurden die Leute schon nervös, ob sie überhaupt noch ans Ziel gelangen könnten.“
MSV-Chef Walter Hellmich beobachtete gestern staunend die einmalige Szenerie. Auch Trainer Rudi Bommer war beeindruckt vom riesigen Interesse der Fußball-Fans. Der Imagegewinn für die Arena wird gewaltig sein, wenn die Nationalmannschaft Ende März ihr erstes Länderspiel seit ewigen Zeiten in Duisburg bestreitet, waren sich beide einig. „Das ist auch der Lohn für unsere gute Arbeit und Anerkennung für unser tolles Stadion“, hatte sich Hellmich nach dem Zuschlag durch den DFB gefreut.
Wer gestern beim Kartenkauf nicht zum Zuge kam, wird sich das Spiel im Fernsehen anschauen müssen. Es wird live übertragen.
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