Duisburg: Den Frack schon zu Beginn ausgezogen
VON SEBASTIAN KAPP - zuletzt aktualisiert: 06.04.2009Duisburg (RPO). Oboist Martin Schie, Fagottist Laszlo Kerekes und Schlagzeuger Christoph Lamberty von den Duisburger Philharmonikern zeigten sich während des jüngsten Playlistkonzertes im HundertMeister einmal in ganz ungewohnter Umgebung. Demonstrativ zogen die drei Musiker zu Beginn der Vorstellung ihre Fracks aus, denn darauf hatten sie ebenso "Null Bock", wie auf klassische Musik.
Zusammen mit dem Duisburger Kabarettisten Kai Magnus Sting bildeten sie das Ensemble "Philharmonixx" und begeisterten die Zuschauer durch einen ansteckenden Spaß am Musizieren. In der gut besuchten Kulturzentrale standen die Gäste schier Kopf. Insgesamt drei Zugaben spielten die Musiker, deren Jazz-Stücke, komponiert von Manuel Munzlinger, oft bekannte Themen und Motive moderner wie klassischer Stücke als Basis hatten. Die "Philharmonixx" beeindruckten durch eine Bühnenshow, die man so nicht gewohnt ist. So feierte Christoph Lamberty jedes Schlagzeugsolo ausgiebig, und Kai Magnus Sting schlief an einem besonders spannenden, musikalischen Höhepunkt. Martin Schie und Laszlo Kerekes zeigten sich ihrerseits sehr effektiv im Zeitmanagement, gelang es ihnen doch, gleichzeitig eine Zugabe zu spielen und ihre Instrumente einzupacken. Den Schlussakkord spielten sie nur noch auf dem Blasstück. Die gute Stimmung im Saal zeigte sich vor allem, als Kai Magnus Sting zu dirigieren begann. Während der Verarbeitung des Chorus des Songs "Hey Jude" von den Beatles drehte sich der "Dirigent" dann zum Publikum, einen improvisierten Taktstock in der Hand, und forderte die Gäste auf, mitzusingen. Diese sangen so fröhlich und laut mit, dass es sich Oboist und Fagottist schon einmal hinter der Bühne gemütlich machten und die Show genossen. Immerhin wurden sie während dieses Stückes nicht mehr benötigt.
Doch auch andere Stücke, von "What shall we do with the drunken sailor?" über "Eine kleine Nachtmusik" von Wolfgang Amadeus Mozart bis hin zu "God save the Queen" verarbeiteten die Musiker in Jazz. Dazu gab es "fachkundige Kommentare" von Kai Magnus Sting, der sich teilweise so sehr in rhetorische Formulierungen verlor, dass die Musiker während dieser satirischen Einlage aufstanden und etwas zu trinken organisierten. Musikalisch zeigte sich die ganze Klasse der Duisburger Philharmoniker. Hätte man nicht gewusst, dass die "Toccata und Fuge" von Johann Sebastian Bach ein Barockstück ist, man hätte die Jazz-Interpretation für das Original halten können. Spielten die Musiker dann doch einmal einen Halbton zu tief, dann nur, um dem Stück eine humoristische Würze zu geben, die vom Publikum sofort verstanden wurde.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






