Duisburg: "Der absolute Wahnsinn"
VON JOHANNA MUSCHALIK - zuletzt aktualisiert: 17.04.2009Duisburg (RPO). Wegen der Umweltprämie haben die Autoverwerter Hochkonjunktur, dabei ist der Schrottpreis in den Keller gefallen. Manche Wagen, die wegen der 2500 Euro bald nur noch ein Haufen Blech sind, sind noch prima in Ordnung.
Ausnahmsweise steht die metergroße Schrottpresse bei der Autoverwertung Rietz einmal still – eher selten in den vergangenen Wochen. Nach Einführung der Abwrackprämie konnten sich die Schrotthändler vor Arbeit kaum retten.
"Es war der absolute Wahnsinn, wir haben bis zu zehn Wagen täglich bekommen und wussten nachher gar nicht mehr wohin damit", erzählt Regina Rietz-Illhardt, die zusammen mit ihrem Bruder Thorsten den Familienbetrieb seit einigen Jahren leitet. Klein und zierlich sieht sie aus und steht doch mit beiden Beinen in einem Männerberuf. Schon als Kind hatte sie zusammen mit ihren Geschwistern auf dem Schrottplatz gespielt und weiß mehr über Autos als so mancher Hobby-Bastler.
Mehr-wert
Von der Verlängerung der Prämie erhofft sich die Schrottplatzchefin ein vernünftigeres Handeln:
"Viele Autos, die wir bekommen, sind viel mehr als 2500 Euro wert, werden aber trotzdem wegen der Prämie verschrottet.
Auf dem Hof der Autoverwertung stehen rund 500 Wagen Schlange vor der Schrottpresse. Neben einigen "alten Schätzchen" wie einem rund 40 Jahre alten Ford Taunus stehen dort auch Fahrzeuge, die gerade mal neun Jahre alt sind und genauso auch beim Gebrauchtwagenhändler auf einen neuen Besitzer warten könnten.
"Manche Wagen sind noch top in Ordnung, da ist es wirklich eine Schande, sie zu verschrotten", erklärt Regina Rietz-Illhardt. "Wir haben sogar schon Kaufanfragen gehabt, aber ich kann dann immer nur auf die Abwrackprämie verweisen. Personenwagen, die für die Verschrottungsprämie abgegeben wurden, dürfen nicht weiter verkauft werden, unabhängig von ihrem Zustand."
Wenn für den Autobesitzer die Freude am Wagen endet, fängt die Arbeit für die Autoverwerter an: "Oft melden wir den Wagen für den Fahrer ab, und das Fahrzeug bleibt zunächst eine Weile bei uns auf dem Hof stehen als Ersatzteillager für Stoßstangen, Spiegel und ähnliches", erklärt die Schrottplatz-Chefin. Nach einer Weile kommt das Auto in die Trockenlegungshalle. Dort wird es komplett auseinander genommen. Alles, was nicht aus Metall besteht, wird ausgebaut.
Schätzchen kommen ans Tageslicht
Dabei kommen allerhand verloren geglaubter Dinge ans Licht: "Oft finden wir Haustürschlüssel oder Kleingeld zwischen den Sitzen, es war aber auch schon Schmuck dabei", erzählt Regina Rietz-Illhardt. Schließlich werden noch Restbenzin, Öl, Kühl- und Bremsflüssigkeit abgepumpt und separat entsorgt. Die Kosten dafür tragen die Autoverwerter selbst. Erst wenn alle nicht-metallischen Teile entfernt wurden, kommt das Fahrzeug in die riesige Schrottpresse.
Gnadenlos stampft sie die Karosserie vollständig zusammen: Übrig bleibt, je nach Modell, ein etwa 1,50 Meter großer Schrottwürfel. "Eine Dame hat mal aus ihrem Panda einen Tisch gemacht. Sie hat auf den besonders kleinen Schrottwürfel eine Glasplatte gestellt". Zusammengepresst gehen die Autos auf Reisen. Da die Lager in Deutschland voll sind, werden sie nach Rotterdam gebracht und dort weiterverarbeitet. In den vergangenen Wochen hatten die Schrottplätze wegen der Abwrackprämie Hochkonjunktur. Die Pressen liefen nahezu pausenlos. Durch die Verlängerung bis Ende des Jahres hat sich die Lage langsam beruhigt. Regina Rietz-Illhardt hält rein gar nichts von der Verschrottungsprämie: "Anfangs haben wir uns noch über die vielen Autos gefreut, schließlich waren das viele Ersatzteile".
Nur noch zehn Euro je Tonne
Die Freude verging aber schnell, als der Schrottpreis wegen des enormen Angebots und der geringen Nachfrage in den Keller fiel. "In den vergangenen Tagen haben wir nur zehn Euro pro Tonne bekommen, im Sommer waren es noch 300 Euro".
Da lohne es sich kaum, die Presse anzuschmeißen. Gleichzeitig läuft der Verkauf von Ersatzteilen schlecht, da nur wenige jetzt noch Geld in ihre Autos stecken.
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