Duisburg: Der Arbeitskampf beginnt
VON GERD KIRBACH - zuletzt aktualisiert: 27.11.2007Duisburg (RPO). Fr., 27.11.87 Der Arbeitskampf beginnt! 9 Uhr: Die Hütte steht. Protestkundgebung vor der Hauptverwaltung, 3500 aufgebrachte Kruppianer schmeißen Dr. Cromme Tomaten, Eier, Dreck um die Ohren, der Plan bleibt bestehen: Das Werk wird plattgemacht.
19 Uhr. Bürgerversammlung im Krupp-Speisesaal (Menage). 1000 Leute schreien ihre Verzweiflung in die Mikros, erster Widerstand und Kampfesmaßnahmen werden beschlossen. Pastor Dieter Kelp wird zum Jesus von Rheinhausen.
Sa., 28.11.87 Die Presse ist voll, schwarze Fahnen werden aufgezogen.
So,. 29.11.87 Der Krupp-Vorstand unter Cromme bittet den Betriebsrat um ein Gespräch, mit dem Ergebnis, dass der Bestand der Stilllegungspläne Sache sei. Der Betriebsrat verlässt demonstrativ den Verhandlungsort, Nachlaufen der hohen Herren bis in die Vorhalle . . . Es wird erklärt, man sei bereit, über alle - auch über die Vorschläge des Betriebsrates - zu verhandeln.
22 Uhr. Die Nachtschicht schmeißt die Brocken hin, alles steht.
Mo., 30.11.87 Die Hütte steht!
9 Uhr: Belegschaftsversammlung. 10 000 schreien in der Walzwerkshalle. Rheinhausen bebt, aber Dr. Cromme interessiert sich nur für den Rechenstift . . .
Helmut Laakmann, Rede auf der Belegschaftsversammlung: „Glückauf, Kollegen, Herr Dr. Cromme, Sie haben mit uns Verträge gemacht und diese Verträge auf beschämende Weise gebrochen . . .“
14.30 Uhr: Treffen bei Arbeitsminister Blüm in Bonn, Betriebsrat und Stahlmanager. Blüm spricht kein klares Wort. Er werde sich bemühen, aber nichts geschieht.
Di., 01.12.87 Auch die Kruppwerke in Bochum, Siegen-Geisreit, Dillenburg und Hagen-Vorhalle, alles steht. 25 000 Kruppianer sind im Ausstand.
Die Nachtschicht soll die Arbeit wieder aufnehmen, aber Pustekuchen: Man formiert sich und zieht zur Rheinhauser Rheinbrücke.
Mi. 2.12.87 Die Brücke ist besetzt, und das um 4 Uhr in der Frühe . . .
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