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Duisburg: Der „Bürgermeister“ tritt ab

VON JOSEF POGORZALEK - zuletzt aktualisiert: 29.02.2008

Duisburg (RPO). 16 Jahre lang war Robert Saurbier Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Eisenbahnsiedler Hohenbudberg. Nun gibt er das Amt ab. Viele andere behält er. „Ganz ruhig – das könnte ich nicht aushalten“, sagt der 73-Jährige.

Robert Saurbier in der Eisenbahnsiedlung. Zwei Tage lang ist er noch der Chef der Interessengemeinschaft. Danach will er ihr noch mit Rat und Tat zur Seite stehen – „wenn man das will“.   Foto: RPO
Robert Saurbier in der Eisenbahnsiedlung. Zwei Tage lang ist er noch der Chef der Interessengemeinschaft. Danach will er ihr noch mit Rat und Tat zur Seite stehen – „wenn man das will“. Foto: RPO

Gut möglich, dass er am Sonntag eine Träne verdrückt. Robert Saurbier wird dessen nicht schämen müssen. Sechzehn Jahre lang war er mit ganzem Herzen Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Hohenbudberger Eisenbahnsiedler. Da darf man zum Abschied sentimental werden.

Der „Bürgermeister“ der Eisenbahnsiedler, wie er manchmal ironisch-liebevoll genannt wird, muss aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten. Und er möchte den Absprung nicht verpassen. „Ich will nicht irgendwann nur noch eine Witzfigur sein“, meint er, der mit seinen 73 Jahren die Folgen des früheren Wechseldienstes bei der Bahn spürt: „Das ging ganz schön in die Knochen.“

Info

Wahlen am Sonntag

Der neue Vorstand der Interessengemeinschaft Hohenbudberg Eisenbahnsiedlung wird bei der Jahreshauptversammlung am Sonntag, 2. März, im „Haus Rheindamm“ gewählt. Die Sitzung beginnt um 17 Uhr. Als sicherer Kandidat für den neuen Vorsitz gilt Michael Küsters, bisher Beisitzer im Vorstand.

Vor genau 50 Jahren ist Saurbier in die Eisenbahnsiedlung gekommen. In der Eifel von der alleinstehenden Mutter aufgezogen (der Vater, ein Eisenbahner, fiel im Krieg), lockte ihn die Arbeit am Rangierbahnhof in die damalige Stadt Rheinhausen. Saurbier diente sich am Bahnhof hoch. Am Ende seines Berufslebens war er Fahrdienstleiter im Stellwerk. Damals brummte die Eisenbahnsiedlung vor Leben. An die 2000 Menschen wohnten dort. Es gab Metzger, Bäcker, Lebensmittelläden, Friseur, Schumacher – all das, was die Siedler heute vermissen. Allerdings gab es auch Dreck und Lärm. „Auf dem Bahnhof waren 90 Dampfloks. Es wurde rund um die Uhr gearbeitet“, erinnert sich Saurbier. „Ließ man nachts die Fenster offen, lag am nächsten Morgen eine dicke schwarze Schicht auf den Möbeln.“ Bis 1986 rollten die Güterzüge durch Hohenbudberg. „Als der Bahnhof geschlossen wurde, haben wir geweint.“

Die Gemeinschaft mit anderen hat Saurbier von Kindesbeinen an gepflegt: zuerst als Messdiener, dann als Pfadfinder. Später, auf dem Bahnhof, war er 23 Jahre lang Personalrat. „Wenn jemand schlecht behandelt wurde, konnte ich nicht still sein“, meint er. Heute ist er Ortsstellenleiter der Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet, Mitglied des Missionsausschusses der katholischen Gemeinde, Ortsstellenleiter der BSW (Stiftung Bahn Sozialwerk) – und bis Sonntag Chef der IG der Eisenbahnsiedler, in der er vor 1992 auch 17 Jahre lang zweiter Vorsitzender unter dem legendären Johannes Büttner war. „Der Opa ist für alle da“, habe seine Frau Theresia einmal dem staunenden Enkel erklärt.

Für alle wird er künftig nicht mehr da sein. Aber vollkommen ins Private will sich Saurbier auch jedoch nicht zurück ziehen. „Ganz ruhig – das könnte ich nicht aushalten“, sagt er. Doch will er den IG-Vorsitz anderen, jüngeren überlassen. Es sei eine mitunter aufreibende Aufgabe: Mit Ämtern und Wohnungsverwaltungen verhandeln, sich all der Probleme und Problemchen in der Siedlung annehmen, sei es die Straßenreinigung, Fragen des Denkmalschutzes oder die Parkplatzsituation. Gerne erinnert sich Saurbier an den „größten Erfolg“ seiner Amtszeit: „Damals sollte es eine horrende Mieterhöhung geben. Wir konnten sie auf ein Minimum reduzieren.“ Seine größte Schlappe, keine Frage: der Bau der Forensik. Die „undemokratische“ Art“, wie die Klinik den Eisenbahnsiedlern „aufs Auge gedrückt wurde“, tut immer noch weh. „Vielleicht wird die übernächste Generation die Forensik akzeptieren“, sagt Saurbier. „Unter den heutigen Siedlern gibt es keinen, der sich damit anfreunden kann.“

Quelle: RP

 
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