Duisburg: Der gecoverte Brecht
VON ANJA KATZKE - zuletzt aktualisiert: 18.03.2008Duisburg (RPO). Anfang März erschien das sechste Buch von Patricia Vohwinkel mit zwölf kriminellen Kurzgeschichten zwischen Gothik, Satire und Thriller. Der Clou dieser Neuerscheinung: Die Autorin aus Rumeln-Kaldenhausen wagt sich, darin drei Geschichten von Brecht, Bukowski und Dahl zu variieren.
rumeln-kaldenhausen In der Musik ist es ganz normal, dass Songs „gecovert“ werden. In der Literatur hat es Patricia Vohwinkel ausprobiert: In ihrem neuen Werk „Nachtblut“ hat sie drei der zwölf schaurig-spannenden Kurzgeschichten neu interpretiert: „Der Augsburger Kreidekreis“ von Bertolt Brecht, Roald Dahls „Der Wunsch“ und „Vergewaltigung“ von Charles Bukowski. Natürlich geht es der Autorin aus Rumeln nicht darum, die Geschichten der drei Schriftsteller einfach nachzuerzählen. „Ich gehe aus einer anderen Perspektive an das Thema heran“, betont sie.
Charles Bukowskis „Vergewaltigung“ erzählt sie aus der Opferperspektive, so dass die Hoffnungslosigkeit der Frau an die Stelle der von Bukowski beschriebenen kalten Brutalität tritt. Brechts „Augsburger Kreidekreis“ wird bei Vohwinkel zum „Hürther Kreidekreis“. „Die von Bertolt Brecht in Augsburg angesiedelte Bibelmotivik bekommt bei mir in der kulturfernen Schicht des Talkshow-Wahnsinns eine ganz andere Dimension“, erzählte die Autorin dem Grafschafter. Auf die Idee, Texte anderer Schriftsteller zu covern, kam sie auf einem Musik-Festival in Österreich.
Nachtblut
Nachtblut ist eine Reise auf die dunkle Seite der Seele: Das Buch vereint zwölf verschiedene Kurzgeschichten zwischen Gothic, Crime und Thriller. Bekannt wurde Patricia Vohwinkel, die 1964 in Duisburg geboren wurde, durch ihre drei „Elchtod-Krimis“. Sie studierte Germanistik und Anglistik an der Universität Düsseldorf, arbeitete als Lehrerin, Übersetzerin, Interviewerin und Texterin, aber auch als Telefonverkäuferin.
„Nachtblut“ ist in der Reihe „Trèves Krimi“ im Verlag Éditions Trèves erschienen.
ISBN 978-3-88081-547-6
Verleger war begeistert
Dort saß sie in der Jury. Man unterhielt sich ganz beiläufig über Cover-Songs. „Irgendwann tauchte die Frage auf, warum so etwas nicht in der Literatur gemacht wird.“ Spontan hatte sie einen Autor parat, der ihr zum Covern geeignet schien: Roald Dahl. „In seiner Geschichte geht es um das magische Denken von Kindern: In meiner Variante bleibt es nicht nur bei der Vorstellung. Ein Kind durchschreitet den Korridor des elterlichen Hauses. Die Blutlachen, denen es ausweichen muss, entspringen aber nicht der Fantasie. Es hat sein Brüderchen erschlagen.“ Es ist der entscheidende Moment, der sie gereizt hat, einen eigenen Einstieg zu suchen: „Es muss etwas Eigenes und anderes dabei herauskommen.“ Patricia Vohwinkel hatte großen Spaß daran, diese Storys aus einem anderen Blickwinkel neu zu erzählen, sich selbst einzubringen. Und ihr Verleger war begeistert. „Er hat mir vorgeschlagen, ein Buch mit nur gecoverten Texten zu veröffentlichen.“ Mit dem Gedanken könnte sich die Autorin anfreunden: „Das Motiv der toten Dichter findet sich bei mir immer wieder“, erzählt die Rumelnerin, die gerade erst von einer Lese-Tour aus Weimar zurück gekehrt ist.
Die Premieren-Vorstellung ihres Werks fand im Wasserhaus in Schwafheim statt, mit Verleger, Freunden und Kollegen. Ende März und im April geht sie auf Lese-Reise: Es geht nach Bayern, Baden-Württemberg und nach Österreich. Am Niederrhein wird Vohwinkel vorerst nicht lesen.
„Es gibt nur ein paar Termine in Düsseldorf.“ 2009 soll das Hörbuch von „Nachtblut“, nicht zu verwechseln mit dem Vorgänger „Blutnacht“, herauskommen. „Und dann schauen wir mal weiter“, sagt sie. Wie auch immer, auf eines muss der Leser gefasst sein: In Vohwinkels Krimis wird selten gemordet, um die Oma zu beerben.
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