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Duisburg: Der Pionier ist raus aus der Schule

zuletzt aktualisiert: 18.07.2011

Duisburg (RP). Werner Binnenbrücker, seit 26 Jahren Schulleiter des Homberger Franz-Haniel-Gymnasiums, geht in den Ruhestand. Er hat die Kooperationen mit der Industrie angezettelt, für ein "extrem schülerfreundliches" Klima gekämpft. Jetzt geht er, und sein Stuhl bleibt leer.

Werner Binnenbrücker vor "seiner" Schule. Den Eingang ziert der Schriftzug "Eifriges Ringen führt zum Gelingen". Er hat sicher gerungen; Inspiration und Mut zum Wagnis waren an seinem Glück aber auch beteiligt.  Foto:  Probst
Werner Binnenbrücker vor "seiner" Schule. Den Eingang ziert der Schriftzug "Eifriges Ringen führt zum Gelingen". Er hat sicher gerungen; Inspiration und Mut zum Wagnis waren an seinem Glück aber auch beteiligt. Foto: Probst

Werner Binnenbrücker ist 66 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier erwachsener Töchter. Nach 26 Jahren als Schulleiter am Franz-Haniel-Gymnasium (FHG) geht er in den Ruhestand; eine Abschiedsfeier hat es schon gegeben. Sein letzter Arbeitstag ist der 29. Juli.

Womit, glauben Sie, haben Sie die Schule am meisten geprägt?

Binnenbrücker Mit der Kooperation mit der Industrie. Ich habe schon 1985 Kontakt zu Haniel aufgebaut. Das Unternehmen bringt sich ein, indem es Vorstellungsgespräche übt oder in den Sozialkundeunterricht Wirtschaftsthemen einbringt. Es gewinnt später gute Nachwuchskräfte, die Schüler kriegen mit, wie es wirklich läuft in der Wirtschaft, die Schule wird finanziell unterstützt. So was war eigentlich 1985 noch verboten. Die Politik hatte Angst, dass Unternehmen Schulen manipulieren könnten. Also haben wir in der Öffentlichkeit einfach nicht darüber geredet.

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Kein Nachfolger

Problem Werner Binnenbrücker scheidet ohne Nachfolger aus dem Amt. Mangels Bewerber hatte er den Ruhestand schon um ein Jahr hinausgezögert. Der stellvertretende Schulleiter Norbert Thummes wird den Posten vorerst kommissarisch besetzen.

Gründe "Wer hier anfängt, muss Schule leben", sagt Binnenbrücker: Zehn-Stunden-Arbeitstage seien für ihn die Regel. Durch Kooperationen, Projekte und das große Kollegium sei das Pensum an organisatorischer Arbeit riesig.

Anreiz "So eine Arbeit macht natürlich auch riesige Freude", sagt Binnenbrücker. "Als Schulleiter weiß man nie, was einem blüht. Es gibt immer Herausforderungen."

Ist Angst vor Manipulation nicht berechtigt?

Binnenbrücker Ach was, dummes Zeug! Wie sollte man den Unterricht in Politik und Wirtschaft manipulieren, oder in Wirtschaftsenglisch? Welches Interesse sollte ein Weltkonzern haben, am FHG in Homberg Werbung für sich zu machen? Außerdem haben wir sofort weitere Unternehmen eingebunden – die Deutsche Bank, Ikea, Thyssen Krupp Steel Europe, die Stadtverwaltung. Und heute fordert man die Schulen auf, Kooperationsverträge zu schließen. Man muss seiner Zeit einfach voraus sein. Wir sind nicht auf den fahrenden Zug aufgesprungen, wir haben ihn auf die Gleise gesetzt.

Von den FHG-Schülern wird Engagement erwartet. Sie machen Praktika in den Ferien, arbeiten an Projekten, haben bilingualen Unterricht. Wenn Sie an Ihre eigene Schulzeit denken –würden Sie tauschen wollen?

Binnenbrücker Sofort. Hier habe ich zig Möglichkeiten, auf meine Interessen einzugehen. Und als junger Mensch ist man immer engagiert. Es ist nur die Frage, ob Lehrer bereit sind, das mitzumachen. Wir tun hier sehr viel für unsere Schüler.

Haben sich die Jugendlichen im Laufe der Jahrzehnte verändert?

Binnenbrücker Sie sind einen gewissen Service gewöhnt. Wir erfüllen Wünsche nach Unterrichtsangeboten. Wir haben eine Kaffeemaschine, da können die Oberstufenschüler zwischen sechs Kaffeesorten wählen, jetzt laufen alle immer mit Pappbechern übers Gelände. In der Cafeteria wird Einslive gespielt, nicht WDR 4, wie die Damen, die da arbeiten, es lieber hätten. Wenn Schüler zu mir kommen, dann wissen sie, ich höre ihnen zu. Wir sind sehr schülerfreundlich, wir wollen ein gutes Klima.

Was waren die größten Hürden während ihres Berufslebens?

Binnenbrücker Ich habe immer gerne gearbeitet. Aber in den ersten Jahren, als ich die Schule übernahm, musste ich dicke Bretter bohren. Wenn Sie als 40-Jähriger kommen und den 60-Jährigen sagen, sie sollen anders mit den Schülern umgehen und sich mehr engagieren – die lachen Sie aus. Aber es gab auch jüngere Kollegen, und zusammen haben wir die Schule umgekrempelt. Ich bin damals oft über den Markt gegangen, habe mit den Leuten geredet. So habe ich erfahren, was unsere größten Defizite sind, und die haben wir abgestellt.

Was war besonders gut?

Binnenbrücker Als bekanntwurde, dass ich aufhöre, war eine Gruppe von Oberstufenschülern hier, die sagten, ich sollte bleiben. Sie seien mit der Art, wie ich die Schule leite, einverstanden. Bei meiner Abschiedsfeier hat jede Klasse etwas für mich gemacht. Da hatte ich Tränen in den Augen.

Was werden sie am ersten Tag ihres Ruhestandes tun?

Binnenbrücker Noch keinen Gedanken daran verschwendet. (Pause) Vielleicht gehe ich schwimmen. Auf jeden Fall werde ich mit meiner Frau auf der Terrasse frühstücken.

Und an all den Tagen danach?

Binnenbrücker Ich bin auf den Ruhestand vorbereitet. Ich bin Vertrauensschulleiter der Stiftung der Deutschen Wirtschaft, in der Studienstiftung des Deutschen Volkes bin ich Juror, und seit neuesten bin ich Vorsitzender des Baerler Heimat- und Bürgervereins.

Sina Zehrfeld führte das Gespräch.

Quelle: RP


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