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Serie Duisburger Fabeln, Märchen und Erzählungen (1): Der Raubritter von Gut Böckum

VON FABIAN SPIESS - zuletzt aktualisiert: 18.07.2012

Duisburg (RP). Das Gut Böckum am Ortsrand von Huckingen ist heute sicherlich einer der idyllischsten und schönsten Plätze des Stadtteils. Vor über 600 Jahren soll es hier jedoch deutlich weniger friedlich zugegangen sein, wenn man der Sage der Raubritter von Böckum Glauben schenkt.

Auf Gut Böckum geht es heute friedlich zu. Früher sollen die Kaufleute hier um ihr Leben und ihre Ware gefürchtet haben. Foto: Probst, Andreas
Auf Gut Böckum geht es heute friedlich zu. Früher sollen die Kaufleute hier um ihr Leben und ihre Ware gefürchtet haben. Foto: Probst, Andreas

Danach mussten hier während des 14. Jahrhunderts vorbeiziehende Kaufleute, die auf der alten Landstraße von Duisburg nach Köln unterwegs waren, um ihre Handelsgüter fürchten. Dabei sieht es so friedlich aus: Zu beiden Seiten erstrecken sich weite Felder, Enten schnattern in einem kleinen Teich (dem letzten Überbleibsel des Wassergrabens) und Spaziergänger schlendern, oft in Begleitung ihrer Vierbeiner, gemütlich den Weg rings um die Wasserburg entlang.

Die Herren von Böckum sollen damals den Kaufleuten aufgelauert, sie in einen Hinterhalt gelockt und an einer günstigen Stelle entlang der Anger, an der es kein Entkommen gab, überfallen haben. Ist diese Geschichte der blühenden Fantasie der damaligen Bewohner entsprungen oder war es zu jener Zeit wirklich riskant, die heute idyllische Stelle zu passieren?

Im Jahr 1387 wurde das Haus Böckum erstmals urkundlich erwähnt. Diese Tafel erinnert an die Geschichte des alten Gutshauses. Foto: Probst, Andreas

Ein wahrer Kern

Die Heimatforscher Bernd Braun und Dietmar Ahlemann sind tief in die Historie des Stadtteils eingetaucht und haben sich intensiv mit der Raubrittersage beschäftigt. "Insgesamt ist der Kern der Sage als wahr anzusehen", lautet ihr Fazit nach mühevoller Recherche. Zunächst einmal sei die Lage von Böckum richtig beschrieben. Der Landsitz lag danach 700 Meter südwestlich vom Steinhof, am rechten Ufer der Anger.

Denkt man sich die heutige Bebauung einmal weg, könnte man von der Wasserburg, die bis vor Kurzem im Eigentum der Familie Spee stand, direkt zum Steinhof blicken, der nur wenige hundert Meter entfernt liegt. Dass die Herren von Böckum wirklich gefürchtete Raubritter waren, erscheint Bernd Braun durchaus wahrscheinlich. "Gerade zu Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts haben Landadelige tatsächlich regelmäßig Handelsreisenden aufgelauert und sie ausgeraubt. Eine Familie, die es in dieser Hinsicht zu einiger Berühmtheit brachte, waren die Herren von Kalkum", so der Heimatforscher.

Genau diese Familie war zu jener Zeit Eigentümer der Höfe Remberg und Böckum. Bernd Braun hat auch für die Motivation zu den Überfällen eine plausible Erklärung: "Die Ritter waren im ausgehenden 15. Jahrhundert nicht mehr so bedeutend und haben nicht mehr so gut verdient", erklärt er. Die Kölner Kaufleute brachten es aufgrund des wichtigen Handelsumschlagsplatzes hingegen zu beachtlichem Wohlstand. Nach ihrem Entschluss, die Kaufleute zu schröpfen, machten sich die Ritter rings um Köln unbeliebt, woraufhin die Kölner einen der Söhne von Arnold von Kalkum hinrichten ließen. Dieses Ereignis führte zur Fehdeerklärung der Kalkumer an die Kölner.

Die Beutezüge nahmen für die Herren von Kalkum übrigens kein gutes Ende. Laut Bernd Braun zog die Stadt Köln im Jahre 1405 ein großes Söldnerheer in Uerdingen zusammen, um die Wegelagerei zu beenden. Urkundlich belegt ist der Untergang des Gutes Remberg, einige Gehminuten vom Gut Böckum entfernt gelegen, in eben diesem Jahr.

Deswegen erscheint es den Heimatforschern durchaus wahrscheinlich, dass die beiden damaligen Rittersitze in der Sage verwechselt wurden, zumal Remberg einen direkten Zugang über die Anger hatte. Denkbar sei aber, dass die Söldner Böckum auf ihrem Rachefeldzug, obwohl nicht urkundlich belegt, direkt mitzerstört haben könnten. Jedenfalls war Gut Remberg sicher ein Sitz von Arnold von Kalkum. So friedlich wie heute ging es im Huckinger Süden vor einigen hundert Jahren jedenfalls nicht zu.

Quelle: RP/rl
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