Duisburg: Der "Tsunami" Wirtschaftskrise
VON SONJA BROWATZKI - zuletzt aktualisiert: 15.01.2009Duisburg (RPO). Homberg Etwa 20 Genossen lauschten jetzt im Awo-Treff Homberg beim ersten Treffen des SPD-Ortsvereins in 2009 dem Gastredner Jürgen Dzudzek, erster Bevollmächtigter der IG Metall für Duisburg und den Niederrhein. Er sprach über die Wirtschaftskrise und ganz konkrete Entwicklungen vor Ort und verglich die Krise mit dem gewaltigen Naturphänomen eines Tsunami: "Die Krise kam in einer nie da gewesenen Plötzlichkeit, Kürze und in einer Größenordnung, die sich keiner vorstellen konnte."
Viele Gespräche mit Managern
Vergleiche mit der Weltwirtschaftskrise 1928 lehnte er ab, da heute eine "völlig andere, dramatische Dynamik" vorhanden sei. Die Frage, wie lang die Krise andauern wird, konnte auch Dzudzek nicht beantworten. Ob sie, wie ein Tsunami, heftig hindurch ziehe und Verwüstung hinterlasse, das wisse keiner. "Die Prognosen gehen teilweise weit auseinander", so der Gewerkschaftsvertreter, der in diesen Tagen nach eigenen Worten oft über Zukunftsaussichten mit den unterschiedlichsten Konzernmanagern spricht. "Einige hoffen auf eine Besserung ab Februar, andere erwarten ein Anhalten bis 2010. Die meisten gehen allerdings von einer langsamen Erholung, etwa nach dem Sommer, aus", fasste Dzudzek die Einschätzungen der Branche zusammen.
Im weiteren Vortragsverlauf wurde das erst in der Nacht zuvor beschlossene zweite Konjunkturpaket der Bundesregierung diskutiert. Lobende Worte fand Dzudzek für den Mindestlohn für Leiharbeiter. Doch bekräftigte der Referent noch einmal, dass die IG Metall im Grunde immer für die Unantastbarkeit der Tarifautonomie einstehe und Mindestlöhne nur dort befürworte, wo keine funktionierende Gewerkschaftsstruktur vorhanden sei. Generell werde die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern aber immer befürwortet, so Dzudzek. Zwar würden viele bereits wie gleichgestellte Mitarbeiter behandelt, doch gebe es noch Einiges zu tun, gerade im Segment der so genannten Billig- (unter zehn Euro) und Billigstlöhner (unter sieben Euro).
HKM als Vorreiter
Vorreiter für das "equal treatment", der größtmöglichen Gleichbehandlung von Festangestellten und Leiharbeitern bei Gehalt und Arbeitsbedingungen, sei in der Region Stahlhersteller HKM. Bei Konkurrent Thyssen Krupp sieht der IG Metall-Beauftragte hingegen "einen großen Sumpf" von unfairen Verträgen. "Einige sind in Ordnung, viele aber auch nicht", wiegelte er seine Aussage ein wenig ab.
Das Wichtigste sei, dass die Krise nicht zur allgemeinen Resignation führe, sondern auch die Zeit in der Arbeitslosigkeit positiv für Fort- und Weiterbildung genutzt werde.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.



