Duisburg: "Die Arbeit macht mir Spaß"
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 31.12.2010Duisburg (RPO). Ralf Jäger (49) ist NRW-Innenminister. Der Duisburger erklärt im Gespräch mit der RP, wie sein Arbeitsalltag aussieht, und dass er sich künftig verstärkt dem Problem jugendlicher Intensivtäter widmen will.
Aufsteiger des Jahres 2010? Nein, diesen Titel möchte Ralf Jäger lieber nicht tragen. "Schließlich arbeitet man nicht darauf hin, Innenminister zu werden", sagt der Duisburger. Ganz entspannt hat der 49-Jährige in der Sitzgruppe aus schwarzem Leder in seinem Ministerbüro Platz genommen und plaudert locker drauflos. Gelegentlich vibriert sein Handy auf seinem ein paar Meter entfernten Schreibtisch. Er ignoriert es.
Heute hat seine Ehefrau Geburtstag – den 40. Der Minister macht deshalb heute früher Feierabend. Also zu einer Zeit, in der auch andere Arbeitnehmer immer Feierabend machen.
"Mein Arbeitstag beginnt um 7.25 Uhr. Dann werde ich von meinem Fahrer abgeholt." Das sieht Jäger nicht einmal als besonderen Luxus an, sondern als effizienten Einstieg in den Arbeitstag: "Im Auto kann ich sofort telefonieren und mit Akten arbeiten. Als Landtagsabgeordneter musste ich selber fahren. Da habe ich oft während der Fahrt kleine Zettel mit Stichworten für meine nächste Rede aufs Armaturenbrett geklebt."
Dass man als Minister ein gewisses Maß an Selbstbestimmtheit aufgeben muss und von seinem Mitarbeiterstab von Termin zu Termin geschickt wird, ist eines der wenigen Mankos. "Opposition ist auf Dauer ermüdend. Ich möchte etwas bewegen und gestalten. Das kann ich als Minister natürlich besonders gut, und Verantwortung zu übernehmen macht mir Spaß." Dass Rot-Grün im Landtag keine Mehrheit hat, stört ihn dabei nicht: "Wir hatten bisher 170 Abstimmungen, und wir haben 170 Mal gewonnen."
1999 hatte sich der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann entschieden, die Politik zum Beruf zu machen. Nach Jahren im Rat der Stadt zog der Sozialdemokrat im Jahr 2000 in den Landtag ein und wurde später stellvertretender Fraktionsvorsitzender und kommunalpolitischer Sprecher der Fraktion. Wegen seiner Angriffslust bekam er dort schnell den Namen "Jäger 90" verpasst. Jäger gilt als enger Vertrauter von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. "Nach einem Vier-Augen-Gespräch mit Hannelore Kraft habe ich gesagt, dass ich das nicht allein entscheiden kann. Ohne Rückendeckung der Familie kann man so einen Job nicht annehmen."
Konzept hat funktioniert
Kaum im Amt, musste Jäger sich mit den Folgen der Loveparade-Katastrophe befassen. Hatte er kurz vor dem Event noch getönt, die Polizei in NRW habe alle Vorkehrungen getroffen, um eine friedlich-fröhliche Loveparade zu gewährleisten, hört sich das nun etwas anders an. "Das Konzept der Einsatzkräfte hat funktioniert", erklärt er jetzt. Dass die Polizei fehlerfrei gearbeitet habe, will er nie gesagt haben: "Bei einem Einsatz dieser Größenordnung passieren immer Fehler." Inzwischen muss er den Spagat zwischen Terrorwarnungen mit globalem Hintergrund und der Neustrukturierung der Duisburger Ortsvereine schaffen. "Das gelingt schon. Um Duisburg kümmere ich mich nun vorrangig am Wochenende."
Der als ehrgeizige bekannte Duisburger möchte nun möglichst schnell seine eigene Handschrift im neuen Amt erkennbar machen. "Wir müssen uns mehr um jugendliche Intensivtäter kümmern. Ich habe eine Projektgruppe im Innenministerium eingerichtet, die sich damit befasst. Wir müssen bei diesem Personenkreis deutlich früher erzieherisch einwirken und nicht warten, bis die Täter 14 Jahre alt und damit strafmündig sind." Wenn die Projektgruppe in etwa drei Monaten ihr Konzept ausgearbeitet hat, will Jäger es im Landtag vorstellen. "Dann wird es in einer Modellregion erprobt. Das kann auch in Duisburg sein, muss aber nicht."
Von der Arbeit als Innenminister hatte Jäger schon im Vorfeld seine Vorstellung, nicht aber von der Größe "seines" Ministeriums. "Als ich das erste Mal in den Saal des Gebäudes an der Haroldstraße in Düsseldorf kam, war ich schon überwältigt", erinnert er sich. Als Dienstherr von 900 Mitarbeitern sei die Verantwortung schon groß, so Jäger. "Aber es ist ein wunderbares Haus. Auf meinen Mitarbeiterstab kann ich mich hundertprozentig verlassen."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







