Duisburg: Die Landsleute schweigen
VON JULIA HAGENACKER - zuletzt aktualisiert: 17.08.2007Duisburg (RPO). Die sechs Morde am Silberpalais sorgen für Verunsicherung und Verwirrung. Dass sie Angst haben, bestreiten die in Duisburg lebenden Italiener jedoch.
Wer die etwas düsteren Räume des Groß- und Einzelhandels „Adria“ betritt, riecht Italien: würzigen Parmigiano, deftigen Pecorino, milden Mozzarella. In der Auslage stapeln sich riesige Käselaiber, die Regale biegen sich unter Nudeln, Antipasti, Rot- und Weißweinflaschen.
Hier, in dem kleinen, auf einem Hinterhof an der Neumühler Gartenstraße gelegenen Geschäft, soll Sebastiano S. (38), eines der sechs am Mittwoch getöteten Mafia-Opfer und Mitinhaber des Restaurants „Da Bruno“, regelmäßig eingekauft haben. Das hatte jedenfalls das Fernsehen berichtet. Der Eigentümer, Danato Fanelli, weiß davon nichts.
Schwer enttäuscht sei er von der Berichterstattung der Presse, sagt er uns. Dass einer der Getöteten, wie in dem Beitrag behauptet, täglich in seinem Laden gewesen sein soll, könne er nicht bestätigen.
Im Gegenteil. „Ich kenne den Mann überhaupt nicht.“ Dass er als einer von zwei italienischen Spezialitäten-Großhändlern in Duisburg viele Restaurants und Pizzerien beliefere, sei richtig. Mit dem „Da Bruno“, beteuert der Geschäftsmannhabe er aber nie etwas zu tun gehabt.
Danato Fanelli lebt seit 1993 in Deutschland. Geboren wurde er in Apulien, in Südost-Italien also – dem „Stiefel-Absatz“. Die beiden verfeindeten Familien, aus denen laut Polizei Täter und Opfer der Blutnacht stammen sollen, kommen aus der kalabresischen Region San Luca – der „Stiefel-Spitze“. Auf die Frage, ob er jetzt selber Angst vor der Mafia habe, schüttelt Fanelli energisch den Kopf. „Warum sollte ich?“, fragt er. „Ich weiß von nichts.“
Dass jetzt viele Italiener Angst hätten, etwas Falsches zu sagen, meint auch eine junge Frau, die wir in der Nähe des Wohnhauses der Opfer-Familie treffen. „Nach so einer schrecklichen Tat, sagt sie, wollen alle nur noch in Ruhe gelassen werden.“ Und das sei ja auch verständlich, irgendwie.
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