Duisburg: Die letzten Spuren am Tatort
VON ANDREAS GRÖHBÜHL - zuletzt aktualisiert: 16.08.2007Duisburg (RPO). Inzwischen hat die Polizei den Platz vor dem Restaurant „Da Bruno“ freigegeben. Blumen und Friedhofskerzen liegen vor dem Eingang, an dem so mancher Schaulustige vorübergeht. Die internationale Presse nimmt ihn als Setting für ihre Live-Berichte.
„Warum?“ Fast mahnend steht das Schild an einer Vase vor dem Eingang der Pizzeria „Da Bruno“. Darauf sind einige Papiere geklebt, auf denen Worte wie „fassungslos“ oder „das gibt’s doch gar nicht“ zu lesen sind.
Vor dem Schild liegt ein weißer Blumenstrauß, eine Statuette zweier geballter Fäuste ragt aus dem Boden empor, zwei rote Friedhofskerzen wehren sich gegen den Regen. Der spült die letzten Spuren des Tatorts fort, wo in der Nacht sechs Italiener kaltblütig erschossen wurden.
Die Polizei hat ihre Absperrbänder geräumt und den Platz am Silberpalais freigegeben. Die internationalen Journalisten haben ihre Kameras und Scheinwerfer aufgebaut und berichten live. Immer wieder nähern sich Schaulustige mit einer Mischung aus Neugier und Abscheu. Einige machen Fotos.
„Kommen sie wieder?“
So wie ein 19-jähriger Italiener, der seinen Namen nicht nennen will. Er hat Angst: „Mein Vater ist selbst Gastronom. Ich kannte den Laden hier gut, besonders eine Küchenhilfe.“ Mit dem Angestellten war er ein paar Mal was Trinken gewesen.
„Könnte sein, dass die Killer mich mit ihm oder anderen aus dem Restaurant gesehen haben. Wer weiß, ob die wiederkommen?“ Seine Angst wird noch größer, als er auf einem Geländer Blut entdeckt. „Das ist wirklich schockierend!“
Dann erzählt er von rivalisierenden Duisburger Gangs, die ihr Territorium verteidigten. Türken hier, Italiener da. Solcherlei Spekulationen gibt es an diesem Nachmittag unter den Tatortbesuchern viele. Jeder will sich die Morde erklären, kann es aber nicht.
„Das nimmt einen mit“, sagt die 13-jährige Melissa. Sie kannte keines der Opfer, fühlt aber mit den Familien der Opfer, wie sie sagt. Die Familie, die nun so stark dezimiert wurde. „Das ist einfach schrecklich“, klagt sie. Interviews scheinen ihr zumindest nichts auszumachen. Sie wendet sich gerne den Journalisten zu.
„Warum?“
Die Morde haben sich in der Stadt herumgesprochen und so kommen einige zum Ort des Verbrechens und zum Schild mit der Aufschrift: „Warum?“
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