Trauerfeier in Duisburg: Die Predigt von Präses Schneider
zuletzt aktualisiert: 01.08.2010 - 10:30Bei der Trauerfeier in der Salvatorkirche in Duisburg gedachten prominente Gäste und Angehörige der 21 Opfer, die auf der Loveparade ums Leben gekommen sind. In seiner Predigt sprach Präses Nikolaus Schneider den Angehörigen Mut zu. Wir dokumentieren seine Worte.
Gnade und Friede von unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus sei mit uns allen Amen.
Die Loveparade wurde zum Totentanz, liebe Gemeinde.
Mitten hinein in ein Fest überbordener Lebensfreude hat der Tod uns allen sein schreckliches Angesicht gezeigt. Schreckensbilder besetzen unser Denken und Fühlen. Junge Menschen, die verzweifelt um ihr Leben kämpfen. Fassungslose Menschen, die ihrer Trauer und Wut ungefiltert Ausdruck geben. Erschütterte Helferinnen und Helfer, Polizistinnen und Polizisten, die selbst Hilfe und Ermutigung brauchen, aber auch menschen, die wie versteinert Verantwortung von sich weg schieben. Trauer und Verzweiflung, Hilflosigkeit und Wut halten uns wie Ketten gefangen.
Wir alle ringen um Fassung und suchen nach Trost, nach Verstehen und Verständnis. Auch unser Vertrauen in Gottes Gerechtigkeit und Liebe hat Risse bekommen. Hat Gott vergessen, gnädig zu sein? Oder sein Erbarmen in Zorn verschlossen? Warum mussten 21 junge Menschen so plötzlich sterben, die doch nur ihrer Lebensfreude Ausdruck geben wollten? Warum ließ Gott das zu? Und wie verlangt Gott Rechenschaft von denen, die Verantwortung für dass Unglück tragen?
Die Loveparade wurde zum Totentanz.
Aber unser Gottvertrauen und unseren Lebensmut wollen wir deshalb nicht einfach preisgeben, liebe Gemeinde. Wir halten dagegen. Stärker als der Tod ist die Liebe. Es gilt stärker als der Tod ist die Liebe von Menschen zueinander. Der Tod kann unsere Liebe zu den Menschen, die wir verloren haben, nicht auslöschen. Aber unsere Liebe braucht neue Wege und neue Formen. Blumen und Kerzen gehören dazu und ein solches Kondolenzbuch.
Wir können unsere Verstorbenen nicht mehr körperlich spüren, wir können nicht mehr gemeinsam mit ihnen lachen und weinen, streiten und uns versöhnen. Aber wir tragen sie in unseren Herzen und in unseren Gedanken. Und auch unsere Tränen und Trauer sind ein Band der Liebe, das uns mit unseren Verstorbenen verbindet.
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Unsere Bänder der Liebe brechen die Macht des Todes, das Zuhören, das Umarmen, das tröstende Wort, die Notfallversorgung und die Umsicht der Rettungskräfte - die spontane Hilfe fremder Menschen. Das bleibt gültig.
Und es gilt: Stärker als der Tod ist Gottes Liebe. Unser Glaube an Gott ist keine Versicherung gegen die Erfahrung von Leid und Tod. Aber wir können darauf vertrauen: Gottes liebevolle Gegenwart auf allen unseren Wegen ist uns zugesagt.
Unser Gottvertrauen bewahrt uns nicht vor Schmerzen und Tränen, auch nicht vor Zweifel, aber unser Glaube schenkt uns die Gewissheit, dass Gott unsere Schmerzen mitfühlt und unsere Tränen zählt. Gottes Gerechtigkeit im irdischen Leben ist immer nur ein Versuch, eine Annäherung. Wir bemühen uns und das muss auch sein. Aber endgültig und so, dass wir alle vollkommen zufrieden sind, wird es erst einmal sein in Gottes Reich.
Dann kriegt auch unser Warum eine endgültige Antwort gegenüber den vorläufigen Antworten, die wir nur jetzt geben und finden können, die aber nötig sind.
Ein für allemal und an einem Menschen für alle Menschen hat Gott uns durch Jesus Christus offenbart: Unsere schrecklichen Erfahrungen mit dem Tod, ja unser Tod selbst, sind nicht das letzte Wort über uns und unser Leben. Jesu Kreuz und Auferstehung versprechen: Das Leben, das Gott uns schenkt, ist stärker als der Tod. Unser Tod auf der Erde ist gleichzeitig das offene Tor zu einem neuen Leben in Gottes Reich. Deshalb können wir auch sagen: unsere Toten sind nicht tot. Der Totentanz wandelt sich zu einem Fest unzerstörbaren Lebens. Auch das bleibt gültig. Verlasst euch darauf. Auch heute.
Hier in Duisburg und überall gelten die Verheißungen des Psalmisten: Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Amen.
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