Duisburg: Die Rattenfänger von Homberg
zuletzt aktualisiert: 23.09.2011Duisburg (RP). Schädlingsbekämpfer Berthold Keßner gewährt Einblick in seinen Alltag. Das Familienunternehmen A.&B. Keßner macht in ganz Nordrhein-Westfalen Jagd aufs Ungeziefer. 1911 gegründet, hat es gestern sein 100-jähriges Bestehen gefeiert.
Diese Branche scheint krisensicher zu sein: Die Homberger Schädlingsbekämpfungsfirma "A. & B. Keßner" hat gestern ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Im Jahre 1911 ist das Traditionsunternehmen in Duisburg gegründet worden. Seniorchef Berthold Keßner spricht über Ratten im Aufschwung, Wanzen im Kommen, Psychologie und Ekel.
Gibt es Schädlinge, die derzeit zum größeren Problem werden – vielleicht sogar speziell in Duisburg?
Keßner Wir haben im Moment deutschlandweit ein Rattenproblem. Das kommt immer wieder in Wellenbewegungen vor: Es gibt etwas mehr Ratten als in den vergangenen Jahren, bei zunehmender Tendenz. Andere Städten haben da aber seit einigen Jahren schon mehr Schwierigkeiten als Duisburg, wir haben das ganz gut im Griff. Wegen der Erwärmung und mehr leerstehenden Gebäuden ist die Schmetterlingsmücke auf dem Vormarsch. Das sind kleine Insekten, die sich in Wasser entwickeln, zum Beispiel in Abflüssen, die nicht oft durchgespült werden, und dann oft in unheimlichen Massen auftreten.
Das Unternehmen
Der Name A.&B. Keßner ist benannt nach den Gründern Albert und Berthold Keßner.
Familienunternehmen Die Keßners führen das Unternehmen in der vierten Generation. Juniorchef Benjamin Keßner ist seit zwei Jahren Mitinhaber neben seinem Vater Berthold.
Belegschaft 13 Mitarbeiter sind bei A.&B. Keßner beschäftigt.
Einsatzgebiet In ganz Nordrhein-Westfalen tätig
Leistungsangebot Schädlingsbekämpfung, Taubenabwehr, Holz- und Bautenschutz, zunehmend auch der Bereich nicht der Schädlingsbekämpfung, sondern der Vorbeugung in Restaurants, Bäckereien, Schlachthöfen oder Großküchen.
Womit haben Sie im Alltag am meisten zu tun?
Keßner In dieser Reihenfolge: Ratten, Schaben, Mäuse und im Sommer speziell Ameisen und Wespen. Mäuse, die normalen Hausmäuse, sind übrigens oft ein viel größeres Problem als Ratten, weil sie schneller Resistenzen aufbauen. Seit 20 Jahren kriegt man die mit normalem Rattengift schon gar nicht mehr bekämpft.
Gibt es auch Schädlinge, die die Menschen hier binnen eines Jahrhunderts so gut wie losgeworden sind?
Keßner Die Hausratte ist hier vollständig durch die Wanderratte verdrängt worden. Die Wanderratte ist größer und stärker, und das Biotop der Hausratte ist nicht mehr da – früher gab es zum Beispiel in Duisburg noch die großen Getreidelager. Unsere Möglichkeiten der Schabenbekämpfung sind viel besser geworden. Und Wanzen hatten wir Jahrzehnte lang überhaupt keine mehr. Aber das ist vorbei, die sind jetzt seit ein paar Jahren im Kommen.
Ekeln Sie sich manchmal bei der Arbeit, oder handhaben Sie alles locker?
Keßner Also, derjenige, der uns bestellt, hat da mehr Probleme. Sowohl psychisch als auch ganz offensichtlich: Er hat mit den Tierchen zu tun. Wir selbst leisten meist Detektivarbeit. Wir sehen die Schädlinge oft gar nicht, sondern finden durch unser geschultes Auge Spuren der Tiere und arbeiten mit Ködern.
Bei den Methoden der Schädlingsbekämpfung hat sich viel getan?
Keßner Oh ja! Sie sind heute viel effizienter, wesentlich unkomplizierter und viel ungefährlicher als früher. Wir sprechen von Wirkstoffen, nicht von Giften, weil die Mittel ganz spezielle Wirkung auf bestimmte Schädlinge haben. Wir sprühen kaum: Wenn wir Köder einsetzen, sterben die Tiere, aber man setzt keinen Wirkstoff in die Umwelt frei. Schaben kriegen wir heute hundertprozentig weg, wenn es nicht gerade ein katastrophaler Befall ist. Wir erreichen heute eine absolute Tilgung in Fällen, in denen man früher noch gesagt hätte: Na, ganz sicher kann man sich nie sein.
Welche Eigenschaften sollte ein Auszubildender bei Ihnen haben?
Keßner Er muss 18 Jahre alt sein, wegen der Arbeit mit unseren Wirkstoffen. Und er muss mit Leuten umgehen können. Denn wer Ungeziefer hat, ist geplagt. Da muss man die Kunden beruhigen können, da ist ein bisschen Psychologie nötig. Wie bei einem guten Arzt.
Sina Zehrfeld führte das Gespräch.
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