Duisburg: Die Stadt feiert ihren Zoo
VON HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 08.05.2009 - 07:07Duisburg (RPO). Am 12 Mai vor 75 Jahren wurde der Tierpark am Kaiserberg offiziell eröffnet. Mit mehr als einer Million Besucher pro Jahr ist er einer wichtigsten Werbeträger der Stadt und gilt als einer der bedeutendsten Tiergärten Europas. Zu den Publikumslieblingen zählen die Delfine und die Koalas.
Weg wollten bisher nur Püppchen und Poala. Püppchen, immerhin eine gefährliche Eisbär-Dame, wurde in ihr Gehege zurückgetrieben, noch bevor der erste Besucher den Zoo betrat. Die trickreiche Seebärin Poala allerdings "robbte" immer wieder durch das weitläufige Gelände am Kaiserberg und überquerte dabei einmal sogar die Brücke über die A 3, die die beiden Hälften des Tierparks verbindet. Offensichtlich scheinen sich die meisten Bewohner des Duisburger Zoos also wohl zu fühlen – und das schon seit 75 Jahren.
Alles begann mit einem "Stubenzoo". Vier Berberlöwen, die der Zirkus Sarrasani gerade erst nach einem Gastspiel in der Stadt anstelle der Pachtgebühr zurückgelassen hatte, und ein paar andere wilde Tieren waren die Keimzelle für den am 12. Mai 1934 offiziell eröffneten Duisburger Tierpark am Kaiserberg. Mit regelmäßig mehr als einer Million Besucher pro Jahr ist er 75 Jahre danach der wichtigste Werbeträger der Stadt und gilt als einer der wichtigsten Tiergärten Europas.
Die Anfänge ließen solchen Ruhm nicht erwarten. Der Tierparkverein hatte (für damalige Verhältnisse) üppige 130 000 Reichsmark eingesammelt, die er auf einer Fläche von der Größe von zehn Fußballfeldern investierte. Eher Menagerie als Zoo, zogen neben den anfangs erwähnten Exemplaren der Tierschau auch Rehe und Wildschweine in die einfachen Drahtkäfige ein. Und ein Aquariums-Haus mit Süß- und Seewasserbecken gab es gleichfalls, etwa an der Stelle, an der auch heute noch die Unterwasserwelt zu sehen ist.
Der Zoo wuchs mit der Zahl seiner tierischen Bewohner. Eine Inventarliste aus dem Jahr 1939 wies bereits 2000 Säugetiere, Vögel und Fische mit 200 Arten aus. Der Krieg dezimierte die Zahl der Tiere jedoch. Viele mussten getötet werden, weil es für sie kein Futter mehr gab. Ein Emu, drei Flamingos, ein Maulesel und zwei Schafe – das war alles, was 1945 übrig geblieben war. Bereits 1949 aber strömten wieder 200 000 Besucher in den Zoo. Die Tiere, die das Nachkriegspublikum zu sehen bekam, hatten sich die Duisburger im Wesentlichen vom Münchener Zoo geliehen.
Unter der Leitung von Hans-Georg Thienemann bekam der Tierpark Europas modernstes Affenhaus und betrat mit einem eigenen Delfinarium europäisches Neuland. Unter seinem Nachfolger Wolfgang Gewalt, der 1966 an den Kaiserberg kam, machte er Schlagzeilen wie nie zuvor und auch nie wieder danach. Gerade erst im Amt, machte sich Gewalt unter weltweiter Medienbeobachtung auf Waljagd. Belugawal "Moby Dick" schwamm zwar den Rhein bis Bonn hinauf, fangen ließ er sich nicht.
Doch Gewalt bekam seinen weißen Wal 1969 in Alaska. Außerdem weitere Meeressäuger wie Jakobitas (kleine Wale) und Toninas (Süßwasserdelfine) – zum Entsetzen der Tierschützer, aber zur Begeisterung des Publikums. Die Delfine (in dritter Generation) sind heute noch neben den Koalas die Stars am Kaiserberg. Über die Jahren lockten sie so manche Berühmtheit an – wie Uschi Glas, die sich jedoch zu einem Spaziergang mit Nanuk entschied, einem Eisbärenjungen. Nicht alle Besucher waren Tierfreunde: In einer Nacht verschwanden aus einem Gehege neun wertvolle Eulen. Acht von ihnen wurden später gefunden – leider, so Zoodirektor Gewalt, "museumsfertig".
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