Duisburg: Die Trojaner gastierten
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 12.06.2007Duisburg (RPO). Wir haben sie wieder, die Rheinopern-Produktion der französisch-romantischen Monumentaloper „Die Trojaner (Les Troyens)“ von Hector Berlioz, vorübergehend sogar beide Teile im Duisburger Theater. Die einfallsreiche Inszenierung durch Christof Loy überzeugt jedes Mal mehr, sie betont die Zeitlosigkeit des Mythos, führt die Personen dynamisch, spielt an auf Führerbunker und Freizeitgesellschaft. Auch das Trojanische Pferd biegt um die Ecke.
Das Hauptereignis zumindest im nachmittäglichen ersten Teil „Die Einnahme von Troja (La prise de Troie)“ war das Wunder wahrer Weiblichkeit, mit dem Annette Seiltgen als Kassandra (Cassandre) debütierte. Nicht als hysterische Seherin, auf die keiner hört, sondern einfach als feurige junge Frau, die viel mehr fühlt und weiß als alle anderen. Ihre Augen funkeln – das konnten wir bis in die vierte Reihe sehen – ebenso wie ihr jederzeit warm und fein fokussierter Mezzosopran, kompromisslos bis in die schwarzen Tiefen menschlicher Existenz leuchtend. Faszinierend, diese zunehmend verzweifelten Vokalfärbungen. Von dieser Gefühlspalette zwischen empfindsam und sarkastisch kann man gar nicht genug kriegen, vom ersten misstrauischen „Les Grecs ont disparus!...“ bis zum finalen Todesschrei „Italie!“ Gleichermaßen umwerfend wirkte die Klangfarben- und Ausdrucksorgie, die Chefdirigent John Fiore in der Wiederaufnahme-Premiere mit dem Chor der Deutschen Oper am Rhein und den Duisburger Philharmonikern entfesselte. Hörenswert sind auch die rund und poetisch tönenden Düsseldorfer Symphoniker im abendlichen, eher lyrischen zweiten Teil „Die Trojaner in Karthago (Les troyens à Carthage)“, nicht nur in der zentralen „Nuit d’ivresse“. Natürlich waren dabei Marta Márquez als Mezzo-Dido (Didon) und Steven Harrison als Tenor-Aeneas (Énée) das sängerdarstellerische Traumpaar - doch fällt es hier schwerer, einzelne der insgesamt rund 20 Solisten hervorzuheben, denn selbst kleinste Partien sind rollendeckend und ansprechend besetzt.
In dieser Woche gibt es noch zwei Aufführungen: am morgigen Mittwoch, 13. Juni, um 19.30 Uhr „nur“ der „Troja“-Teil und am kommenden Samstag, 16. Juni, ab 14.30 Uhr noch einmal beide Teile. Für September sind drei nachmittägliche „Troja“-Vorstellungen angesetzt - „Karthago“ liegt dann wieder in Düsseldorf. Es gibt noch Karten im Opernshop an der Düsseldorfer Straße 5-7 Tel. (0203) 94 07-7 77, im Servicebüro im Theater, Neckarstraße 1, Tel. (0203) 3009-100 und an der Tages- beziehungsweise Abendkasse.
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