Duisburg: Die Ungewissheit quält
VON MARITA JÜNGST - zuletzt aktualisiert: 24.02.2010Duisburg (RPO). Wenn der Deich in Rheinheim saniert wird, muss Landwirt Heinz Höffges seinen Hof verlassen. Er kritisiert die Informationspolitik der Stadt, die ihn nie über den Stand der Entwicklung unterricht habe.
Rheinheim Seit zehn Jahren weiß Landwirt Heinz Höffges, dass er seinen Hof in Rheinheim, direkt am Fuße des Deichs den dortigen Sanierungsplänen opfern muss. Zehn Jahre des Wartens und der Ungewissheit, zehn verlorene Jahre für die Familie. Wann wird es losgehen? Wo sollen er und seine vielen Tiere hin? Am Mittwoch vergangener Woche unterzeichneten der Landesumweltminister und Oberbürgermeister Adolf Sauerland den Vertrag über die Finanzierung des Deichprojekts und gaben damit den Startschuss für die Maßnahme. Heinz Höffges musste davon aus der Zeitung erfahren. "Mich hat bis heute noch niemand informiert", sagte er gestern enttäuscht.
Und eben diese Nicht-Informationen sind es, die die Familie Höffges in diesem Verfahren kritisieren. Ein Anruf zwischendurch, wie der Stand der Planungen sei, hätte Heinz Höffges das Leben leichter gemacht. "Wenn ich nachts wach werde, denke ich nur darüber nach, wie es weiter gehen soll", sagte er. Schließlich geht es nicht allein um ihn und seine Frau Inge, sondern auch um 80 Schweine, sechs Zuchtsauen, einen Eber, fünf Rinder, drei Pferde, vier Schafe und jede Menge Kaninchen, die einen neue Heimat brauchen.
Die Ungewissheit hat der gesamten Familie in den vergangenen Jahren zugesetzt, auch den beiden erwachsenen Töchtern. "Die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke", beklagt Tochter Bettina Lenerz. Man sei nur eine Nummer. Wegen des mangelnden Informationsflusses kursierten zudem immer wieder Gerüchte, auch die, dass die Bagger schon bald anrücken könnten.
Das werde nicht so sein, erklärte gestern Deichgräf Helmut van Wickern auf Anfrage der RP. Zunächst werde der Deichabschnitt von Wittlaer bis Rheinheim in Angriff genommen. Davon sei der Hof der Familie Höffges nicht betroffen. Im nächsten Jahr werde dort noch nichts passieren, erklärte er. "Esbleibt noch genügend Zeit, die Dinge vernünftig zu lösen", versprach er. Warum Heinz Höffges die neuen Entwicklungen aus der Zeitung erfahren musste? "Die Finanzierung musste erst und Dach und Fach sein", sagte Wickeren.
Für Heinz Höffges ist dies keine Entschuldigung. "Zumindest am Tag der Pressekonferenz hätte man mich informieren können", sagte er. Schließlich sei er der Hauptbetroffene, der den Hof räumen muss, den seine Familie seit 100 Jahren bewirtschaftet und das in dritter Generation. Heinz Höffges ist wie sein Vater dort geboren. Und er wird den Hof "schweren Herzens verlassen". Deshalb wünscht er sich zumindest "Gerechtigkeit, klare Verhältnisse und einen funktionsfähigen Bauernhof."
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