Duisburg: Diebesgut Altpapier
VON TIM HARPERS - zuletzt aktualisiert: 21.01.2012Duisburg (RP). Die Wertstoffdiebe werden immer dreister. Neben Metall haben die Langfinger jetzt auch noch das Altpapier für sich entdeckt. Ein Trupp wurde in Neudorf erwischt. Die Wirtschaftsbetriebe alarmierten die Polizei.
Da haben sich einige Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe, dem städtischen Entsorgungs- und Stadtreinigungsunternehmen, bei ihrer morgendlichen Arbeitstour wohl verwundert die Augen gerieben. Das Müllbeseitigungsteam wollte in aller Frühe im Stadtteil Neudorf Altpapier vom Straßenrand einsammeln. Eigentlich ist das Alltag, doch nicht auf dieser Tour. Auf der Route des Arbeitstrupps waren alle Wäschekörbe, blauen Tonnen und sonstigen Behältnisse, in denen die Bürger ihr aussortiertes Papier deponieren, absolut leer. Für die städtische Müllverwertung war nicht ein Fitzelchen übriggeblieben.
Offensichtlich hatten dreiste Altpapierdiebe ihr Unwesen getrieben und waren den Wirtschaftsbetrieben zuvorgekommen. Es mag verwunderlich klingen, dass sich jemand um diesen Wertstoff reißt, zumal Papier mit einem Wertstoffpreis von 60 bis 70 Euro pro Tonne nicht unbedingt die typische Beute für einen Raubzug ist. Doch möglicherweise war für die Täter schon ein niedriger Erlös finanziell interessant. "Seit drei Monaten kommen auf bestimmten Touren nur noch kleinere Mengen zusammen. Das kam uns schon komisch vor. " sagt Sarah Mdaghi, Pressesprecherin des Unternehmens. "An diesem Morgen war es aber ganz besonders extrem und wir haben sofort die Polizei alarmiert. Altpapier, das für die Wirtschaftsbetriebe an den Straßenrand gestellt wird, ist kein Allgemeingut. Die Sachen mitzunehmen, das ist Diebstahl."
Altpapier in Duisburg
Neben den Containern für Altpapier gibt es in Duisburg die "Blaue Tonne", die alle 14 Tage abgeholt wird.
Mitgenommen wird am Leerungstag der Hausmülltonne aber auch gebündeltes Altpapier.
Im Jahr 2011 fielen bei den Wirtschaftsbetrieben 32 000 Tonnen Altpapier an. Das Unternehmen rechnet wöchentlich mit einem Aufkommen von 634 Tonnen. Jährlich "produziert" jeder Duisburger 67 Kilogramm Altpapier.
Kleiner Ertrag
In Duisburg fallen jährlich ungefähr 32 000 Tonnen Restpapier an. Das macht die wöchentlichen Sammeltouren zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. "Gerade weil es in der Summe so viel ausmacht, müssen wir solche Diebstähle unterbinden", so Mdaghi weiter. "Ich verstehe auch nicht, wieso sich überhaupt Leute die Mühe machen Papier zu stehlen. Für Einzelne macht das doch keinen Sinn. Großer Aufwand – wenig Ertrag. Was geht in solchen Köpfen vor?"
Die Duisburger Polizei hat den dreisten Diebstahl mittlerweile aufgeklärt. "Nach dem Anruf vom Betriebshof haben sich sofort zwei Streifenwagen auf den Weg nach Neudorf gemacht", so Stefan Hausch, Polizeipressesprecher "Einige Anwohner haben uns auf ein verdächtiges Fahrzeug aufmerksam gemacht. Die Kollegen haben den Kleinlaster dann kontrolliert und zwei bulgarische Staatsbürger mit einer Ladefläche voller Altpapier angetroffen. Die beiden Männer wurden vorläufig festgenommen."
Der Fall sei der erste seiner Art in der Stadt gewesen, so Hausch. Daher bestehe noch kein Grund zur Sorge. "Gesonderte "Altpapierstreifen" sind nicht vorgesehen", stellt der Pressesprecher fest. "Das lohnt sich nicht. Sollte es aber Ausmaße annehmen wie bei den Metalldiebstählen, werden wir darüber nachdenken. Bis dahin bleibt alles beim Alten."
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