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Duisburg: DMG will Einnahmen spenden

zuletzt aktualisiert: 14.09.2010 - 09:06

Duisburg (RPO). Interview DMG-Geschäftsführer Uwe Gerste ist der Meinung, die Finanzierung der Loveparade sei nicht anders abgelaufen als bei anderen Großveranstaltungen auch.

Uwe Gerste, Geschäftsführer der Duisburg Marketing Gesellschaft (DMG), über die Erfolge des Kulturhauptstadtjahres und zurückgehende Übernachtungszahlen als Folge der Bettensteuer.  Foto: RPO
Uwe Gerste, Geschäftsführer der Duisburg Marketing Gesellschaft (DMG), über die Erfolge des Kulturhauptstadtjahres und zurückgehende Übernachtungszahlen als Folge der Bettensteuer. Foto: RPO

Die Abwahl des Oberbürgermeisters ist gescheitert. Dabei stand die Verantwortung für die Katastrophe und die Sicherheitsmängel im Mittelpunkt des Interesses. Die Finanzierung des Events war im Vorfeld die umstrittenste Frage. Dazu stand Uwe Gerste, Geschäftsführer der Duisburg Marketing Gesellschaft (DMG), der RP Rede und Antwort.

Welche Rolle spielte die DMG bei der Finanzierung der Loveparade?

Gerste Bei der Finanzierung der eigentlichen Veranstaltung keine. Die eigentliche Veranstaltung war durch den Hauptsponsor McFit durchfinanziert, nach Angaben der Lopavent mit einem Betrag von drei Millionen Euro. Die DMG hat die Rolle übernommen, mit eigenen Aktivitäten, insbesondere der Partylifter-Kampagne und dem Vertrieb von Merchandising-Artikeln sowie der Vermarktung von gastronomischen Rechten außerhalb der Veranstaltungsfläche, Geldmittel einzuwerben, die der Refinanzierung der kommunalen Kosten dienen sollten.

Welche Summe sollte durch die Aktivitäten erwirtschaftet werden?

Gerste Das eigentliche Ziel war die Refinanzierung von mindestens 185 000 Euro, dies sind rund 20 Prozent der kommunalen Kosten. Da eine solche Aktion jedoch erstmals im Rahmen einer solchen Veranstaltung stattfand, war von vornherein allen klar, dass hier ein wirtschaftliches Risiko verblieb. Deshalb hat die Staatskanzlei des Landes eine Ausfallgebühr gegenüber der Stadt Duisburg in Höhe von 100 000 Euro abgegeben. Bei der DMG verblieb somit ein unternehmerisches Risiko in Höhe von 85 000 Euro, also etwa zehn Prozent der kommunalen Kosten.

Stand diese Maßnahme im Einklang mit dem Ratsbeschluss, der eine Finanzierung der Loveparade durch Stadt und/oder städtische Gesellschaften nicht zuließ?

Gerste Ja, natürlich. Zum einen hat die DMG damit nicht die Veranstaltung finanziert. Sie ist allenfalls ein begrenztes unternehmerisches Risiko im Rahmen der Geschäftsführungskompetenz eingegangen. Wir waren der Auffassung, dass hier kein ernsthaftes Risiko besteht. Zum zweiten hat sie eine Maßnahme des Stadtmarketing durchgeführt. Nach Ansicht aller Beteiligten, auch der Kommunalaufsicht und dem Innenministerium, war diese Aktivität im Rahmen des Stadtmarketings zulässig und gewünscht. Über den Verlauf der Aktivitäten wurde der Aufsichtsrat der DMG bereits im Juni informiert.

Wie erfolgreich waren denn die Aktivitäten?

Gerste: Aus der Stadtmarketingsicht sehr erfolgreich. Das zeigen die intensiven Aufrufe unserer Aktivitäten, die zum größten Teil im Internet platziert waren und auch viele Reaktionen. Aus der rein finanziellen Sicht weniger. Wir werden wohl unter 40 000 Euro erwirtschafteter Beträge verbleiben. Die Differenz von maximal 50 000 Euro zu dem Risiko von 85 000 Euro ist im Übrigen über den Wirtschaftsplan der DMG abgedeckt, so dass keine zusätzliche Belastung für die Stadt oder die DMG entsteht.

Woran hat es gelegen, dass der wirtschaftliche Erfolg nicht wie erhofft eingetreten ist?

Gerste Hier dürften eine Reihe von Gründen entscheidend gewesen sein. Diese müssen wir noch näher analysieren. Sicherlich hat der knappe Realisierungszeitraum eine Rolle gespielt wie auch die fehlende Bereitschaft des Veranstalters, das Markenlogo für die Aktivitäten freizugeben und auch die Kommunikation der Stadt, dass man über Sponsoren alle finanziellen Mittel eingeworben hätte, war für unsere Aktivitäten nicht gerade hilfreich. In der Szene wurden unsere Aktivitäten leider häufig als nettes Beiwerk, jedoch nicht als elementarer Finanzierungsbestandteil gesehen.

Sind nicht insgesamt auch über die DMG hinaus viele der kommunalen Kosten direkt oder indirekt durch die öffentliche Hand beglichen worden?

Gerste Das mag man so sehen. Das gilt dann aber auch für eine Vielzahl anderer Veranstaltungen bei denen das ähnlich läuft. Für mich zeigt das eher, dass eine Vielzahl von Akteuren willens war, konstruktiv nach Wegen zu suchen, die Loveparade jedenfalls nicht an finanziellen Problemen scheitern zu lassen. In der Gegenrechnung wurden auch die wirtschaftlichen Impulse für Duisburg und die Region gesehen. Angesichts des Todes von 21 Menschen auf der Loveparade frage ich mich aber schon, ob diese finanzpolitische Diskussion diesem schrecklichen Drama gerecht wird.

Werden Sie die Einnahmen jetzt an die Stadtkasse überweisen?

Gerste: Die Einnahmen würde die Geschäftsführung der DMG nach der endgültigen Abrechnung lieber für einen positiven Zweck im Zusammenhang mit der Loveparade verwenden. Dieser könnte sowohl in der Finanzierung von Maßnahmen aus dem Bürgerkreis Gedenken, der Mitfinanzierung eines Jugend- und Subkulturprojekts oder einer Befragung der Partylifter-Newsletter Bezieher sowie der Sponsoren hinsichtlich der Verwendung sein. Zunächst muss jedoch der Verwaltungsvorstand sich zu unserem Vorschlag eine Meinung bilden und sich gegebenenfalls mit der Kommunalaufsicht abstimmen. Der Aufsichtsrat der DMG unterstützt die Geschäftsführung in unserem Vorgehen.

Quelle: RP

 
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