Duisburg: Drogenrazzia - Polizei stürmt Saunaclub
VON CHRISTIAN SCHWERDTFEGER - zuletzt aktualisiert: 09.02.2011 - 16:21In Neudorf hat die Polizei eine Canabis-Plantage in einem ehemaligen Saunaclub ausgenommen. Es soll sich um einen der größten Funde in NRW handeln. Die Drogen wurden auf einer Fläche von 600 Quadratmetern angebaut und mussten mit Lkw abtransportiert werden.
Das Sondereinsatzkommando (SEK) schlägt am Vormittag zu. Um kurz nach halb elf umstellen die Beamten am Dienstag ein Mehrfamilienhaus an der Grabenstraße in Neudorf. Im Hinterhof des Gebäudes stürmen die Fahnder einen ehemaligen Saunaclub. Die Ermittler können kaum glauben, was sie da sehen, als sie die verbarrikadierte Tür aufgebrochen haben: eine etwa 600 Quadratmeter große Canabis-Plantage mit professionellen Bewässerungs- und Beleuchtungsanlagen sowie speziellen Luftfiltern tut sich vor ihnen auf. Von den Besitzern fehlt jede Spur.
Bei dem Fund soll es sich um eines der größten jemals ausgehobenen Drogen-Nester in Nordrhein-Westfalen handeln. „Es waren mehr als 50 Ermittler im Einsatz“, so Oberstaatsanwalt Detlef Nowotsch. Den Tipp erhielt die Polizei von einem Anwohner, der „verdächtige Gerüche“ in der Luft wahrgenommen hatte. Tatsächlich riecht es dort nach Hanf. Auswertungen von Wärmebildaufnahmen, die von einem Hubschrauber aus gemacht wurden, bestätigten den Verdacht.
Der Wert der beschlagnahmten Drogen, also nur der erntereifen Pflanzen, wird von der Polizei auf mindestens 75.000 Euro geschätzt.
Allerdings soll allein die technische Ausstattung, um so eine große Plantage betreiben zu können, mehrere zehntausend Euro kosten, heißt es. Fast einen ganzen Tag lang benötigten die Fahnder, um die Pflanzen in Tüten und Kartons aus dem Gebäude zu schaffen, erst gegen 22 Uhr war der Einsatz beendet. Für den Abtransport mussten vom Technischen Hilfswerk (THW) Lkw angefordert und die Straße abgesperrt werden. „Das war der Wahnsinn, was die da raus geschleppt haben. Die Ladeflächen der Lkw waren bis oben hin voll mit den Drogen“, so eine Anwohnerin. Festnahmen hat es offenbar noch keine gegeben – nur Vernehmungen sollen schon stattgefunden haben.
Bei dem Besitzer des Gebäudes soll es sich nach Informationen der Rheinischen Post um einen Gerichtsvollzieher handeln, der den ehemaligen Saunaclub im Sommer vergangenen Jahres zu „Einlagerungszwecken“ nutzte. In der Nachbarschaft will niemand etwas von der Drogenplantage mitbekommen haben. „Da standen nur immer teure Sportwagen und Limousinen mit niederländischen Kennzeichen herum“, sagt eine 62-jährige, die direkt nebenan wohnt. „Ansonsten ist nichts auffällig gewesen.“ Die Kriminalpolizei war auch am Mittwoch noch damit beschäftigt, Anwohner der Straße nach möglichen Hinweisen zu befragen.
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