Duisburg: Duisburg ist krisenanfällig
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 16.02.2011 - 09:07Duisburg (RPO). Zurzeit geht es mit der Wirtschaft in der Region spürbar aufwärts. Kollabierende Banken, Rohstoffknappheit, Klimawandel oder Ernährungssicherheit – die nächste Krise kommt bestimmt. Und Duisburg ist schlecht vorbereitet.
Mit den in Mode gekommenen "Städte-Rankings" ist das so eine Sache. Welches ist die beliebteste, attraktivste, prosperierendste und schönste Stadt? Meist landet Duisburg auf derartigen Ranglisten weit unten. Und meist sind es die selben Indikatoren, die einen Aufstieg oder Imagewandel so schwierig machen: hohe Arbeitslosigkeit, niedriges Bildungsniveau, schrumpfende Einwohnerzahl, zunehmende "Vergreisung", viele Arbeitslosengeld-II-Bezieher, hohe Verschuldung, schlechtes Ansehen.
Rang 380 von 412
Ähnlich war es jetzt bei einer Untersuchung des Pestel-Instituts aus Hannover zur regionalen Krisenfestigkeit: Danach belegt Duisburg Rang 380 von 412 getesteten Regionen. 18 Indikatoren aus den Bereichen "Soziales", "Wohnen", "Verkehr", Flächennutzung", "Energie" und "Wirtschaft" wurden dabei einbezogen und sollen die Verletzbarkeit einer Region im Krisenfall aufzeigen. Sie sollen zudem darlegen, wie gut auch im Krisenfall die Handlungsfähigkeit einer Region oder Stadt durch Flexibilität, Ressourcenausstattung und Sozialkapital erhalten bleibt.
Empfehlungen
Es ist nicht unbedingt die internationale Wettbewerbsfähigkeit, die Krisensicherheit für die Zukunft signalisiert. Das Pestel-Institut gibt Handlungsempfehlungen für Städte und Regionen. Die Kommunen sollten mehr als bisher auf dezentrale Energieerzeugung, soziale Stabilität, Verfügbarkeit von land- und forstwirtschaftlichen Flächen und Arbeitsplätzen vor Ort setzen. Städte sollten sich intensiver mit möglichen Krisenszenarien befassen.
Immerhin: Bei fünf Indikatoren erzielte Duisburg Spitzenwerte. Die Mieterquote und die Wohnfläche je Einwohner werden positiv beurteilt, ebenso die Verkehrsflächen je Einwohner und der Pkw-Bestand je Einwohner. Unterdurchschnittliche Mietpreise bei vergleichsweise großen Wohnungen sorgten für gute Ergebnisse im Bereich "Wohnen". Dass der Bereich "Verkehr" bei einer sich selbst als Logistikdrehscheibe verstehenden Stadt eine überdurchschnittliche Infrastruktur aufweist, dürfte niemanden überraschen. Leider weist die Stadt bei insgesamt zehn Indikatoren nur einen Platz am unteren Ende der Skala auf.
Dazu gehören eine zu hohe Zahl von Schulabgängern ohne Abschluss, eine zu hohe Langzeitarbeitslosen-Quote und zu wenig Hausärzte. Auch bei der Länge des Streckennetzes von Bus und Bahn je Einwohner landet Duisburg abgeschlagen im unteren Drittel.
Bei den erneuerbaren Energien bemühen sich die Stadtwerke in jüngster Zeit wie berichtet besonders. Die Studie des Pestel-Instituts bescheinigt Duisburg allerdings noch bei der Windkraft, dem Einsatz von Biogas sowie von Solarthermie und Photovoltaik schwache Werte. Dass bei den kommunalen Schulden je Einwohner einschließlich der Kassenkredite kein Spitzenplatz zu erwarten war, versteht sich von selbst.
Nur in drei Feldern verteilte das Institut durchschnittliche Werte für die Stadt: Beim Wanderungssaldo der Jahre 2004 bis 2008, dem Anteil der Beschäftigten am Wohnort, die nicht über die Regionsgrenze hinauspendeln und den Industriebeschäftigten auf 100 Erwerbsfähige.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







