Duisburg: Duisburger „Schätzchen“
VON KATHARINA SCHMÜLLING - zuletzt aktualisiert: 01.11.2008Duisburg (RPO). Ein Besuch auf dem Friedhof kann auch eine Zeitreise durch die Geschichte der Stadt Duisburg und ihren Bürgern
sein: Auf Duisburgs ältestem Friedhof in Ruhrort liegt die Familie Haniel, am Sternbuschweg die Böninger-Gruft.Allerheiligen: Das ist immer noch der Tag, an dem traditionell viele Familien gemeinsam den Friedhof besuchen, um der Verstorbenen zu gedenken. „Vieles hat sich in der Friedhofskultur verändert, aber Allerheiligen ist immer noch der stärkste Besuchertag im Jahr“, sagt Klaus Keulen. Er ist bei den Wirtschaftsbetrieben Duisburg für die städtischen Friedhöfe zuständig.
Und die sind nicht nur ein Ort der Trauer und des Abschieds. Sie erzählen mit ihren zahlreichen Gräbern und GrabmälernSpannendes aus der Geschichte Duisburgs und des Ruhrgebiets.
Grabmalpatenschaften
Um künstlerisch wertvolle Grabdenkmäler zu erhalten, setzen die Duisburger Wirtschaftsbetriebe auf das Engagement von Grabmalpaten. Diese versetzen die Grabmäler in Abstimmung mit der Denkmalbehörde in seinen ursprünglichen Zustand und erhalten sie. Infos bei den Wirtschaftbetrieben, Tel. 0203 73875200.
Duisburgs ältester Friedhof
Ein Beispiel ist der Friedhof an der Eisenbahnstraße in Ruhrort. Er ist der älteste städtische Friedhof in Duisburg, die erste Bestattung fand hier im November des Jahres 1845 statt. Dort erinnert eine Grabstätte an die Familie Haniel. Durch eine Hecke geschützt liegen dort rund um ein großes Grabmal in Form eines Sarges die zahlreichen Familienmitglieder der berühmten Familie. Die ist heute in alle Welt zerstreut, „das Grab lassen sie aber weiter pflegen“, so Klaus Keulen.
In „ihrem Stadtteil“ beerdigt ist auch die Ruhrorter Heimatdichterin Amalie Weidner-Steinhaus. Sie hat auf dem Friedhof an der Eisenbahnstraße ein Ehrengrab. Der Rat hat entschieden, dass die Stadt für Menschen wie sie, die sich aussergewöhnlich verdient gemacht haben, ein Ehrengrab pflegt.
„Eine der schönsten Grabanlagen, die wir haben, ist die der Familie Gerling“, sagt Klaus Keulen von den Wirtschaftsbetrieben. Es ist eine antik anmutende Anlage, in der eine bilhauerisch gestaltete trauernde Figur in einer halbrunden Apsis steht. Diese beeindruckende Anlage hat Elemente aus der griechischen Klassik und aus der Romanik – ein echtes „Schätzchen“. „Es ist eine Schande, wenn das verfällt“, sagt Keulen. Deshalb haben die Wirtschaftsbetriebe die Patenschaft übernommen und die Anlage restaurieren lassen.
Faszinierende Gräber und Erinnerungsstätten bekannter Duisburger finden sich auch auf dem Friedhof am Sternbuschweg. Immer noch beeindruckend, wenn auch etwas verfallen, ist die Gruft der Familie Böninger. Nur selten ist sie geöffnet, so dass man ins Innere hinab steigen und die 76 Grablegen bewundern kann. Auch wenn das heute nur schwer erkennbar ist: Die Familie Böninger gehörte in Duisburg jahrhundertelang zur wirtschaftlichen Prominenz.
Ein Streifzug durch die Geschichte, auch so kann also ein Friedhofsbesuch aussehen: Am Sternbuschweg reihen sich an die Böningergruft auch die Erinnerungsstätten der Familie Carstanjen, der Familie Averdunk, vom ehemaligen Oberbürgermeister Karl Lehr und noch viele mehr.
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