Loveparade-Tragödie: Duisburger wollen OB stürzen
VON UNSEREN REPORTERN - zuletzt aktualisiert: 29.07.2010 - 21:11Loveparade-Tragödie (RPO). Die Duisburger FDP fordert nach dem Loveparade-Desaster die Abwahl von Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Die SPD will sich am Montag äußern. Auch ein Bürgerantrag soll den Rücktritt des OB erzwingen.
Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) kann sich knapp eine Woche nach der Loveparade-Katastrophe, bei der 21 Menschen starben, kaum noch im Amt halten. Mit der FDP fordert im Duisburger Stadrat schon die zweite Fraktion seine Abwahl: "Sauerland muss die politische Verantwortung für die Loveparade-Tragödie übernehmen und das Amt abgeben", sagte gestern der Duisburger FDP-Fraktionschef Wilhelm Bies unserer Zeitung. Zuvor hatte die Linke für die Ratssitzung am 4. Oktober einen Antrag auf Abwahl des Oberbürgermeisters gestellt. Bies: "Wir werden die Abwahl unterstützen."
Druck bekommt der Duisburger OB auch von anderer Seite. Ein Duisburger Bürger hat einen Einwohnerantrag ins Rollen gebracht, der Sauerland und seine Beigeordneten Wolfgang Rabe (Rechtsdezernent) und Jürgen Dressler (Baudezernent) zum Rücktritt zwingen soll. Kommen 8000 Unterschriften zusammen, ist der Rat verpflichtet, sich mit dem Antrag zu befassen. Der Duisburger Mieterschutzbund, der den Antrag unterstützt, rechnet mit 8000 Unterschriften binnen 14 Tagen.
Rund 400 Menschen haben gestern Morgen vor dem Duisburger Rathaus lautstark den Rücktritt des Oberbürgermeisters Adolf Sauerland gefordert. Die Stimmung war aufgeheizt. Der Eingang zum Rathaus musste durch Polizisten gesichert werden. Sauerland zeigte sich nicht. Nach der Demo wurde eine Schweigeminute eingelegt. Sauerland kündigte in einem Brief an seine Mitarbeiter zwar Konsequenzen an, lehnte einen sofortigen Rücktritt aber erneut ab.
Dem Vernehmen nach will auch die SPD-Fraktion im Duisburger Rat dem Antrag auf Sauerlands Rücktritt zustimmen. Offiziell haben sich die Duisburger Sozialdemokraten auferlegt, politische Fragen zum Thema Loveparade bis zum Wochenende nicht zu kommentieren. Inoffiziell heißt es in der Duisburger Kommunalpolitik, die SPD wolle sich entweder am kommenden Sonntag oder am Montag öffentlich zur Frage der Abwahl Sauerlands erklären. Angeblich soll der größte Teil der Duisburger SPD inzwischen klar gegen Sauerland eingestellt sein. Sowohl Ministerpräsidentin Hannelore Kraft als auch NRW-Innenminister Ralf Jäger (beide SPD) haben indirekt den Rücktritt Sauerlands gefordert. Um das Verfahren zur Abwahl Sauerlands in Gang zu setzen, genügt eine einfache Ratsmehrheit von 38 Stimmen.
Der Duisburger Bundestagsabgeordnete Johannes Pflug (SPD) bestätigte gestern die Existenz von Sitzungsprotokollen, in denen Vertreter der Kölner Polizei bei Treffen mit Vertretern von Stadt und Veranstaltern noch kurz vor der Loveparade Bedenken gegen die Durchführung des Techno-Festes geäußert hatten. Dies hätten ihm ranghohe Duisburger Polizeiführer im Beisein des stellvertretenden Polizeipräsidenten Detlef von Schmeling versichert.
Der Innenausschuss des Landtags kommt am nächsten Mittwoch zu einer Sondersitzung wegen der Katastrophe bei der Loveparade zusammen. Die Sondersitzung wurde von der CDU beantragt. Peter Biesenbach, der Innenexperte der Union, will unter anderem klären, welche Meldungen der Polizei-Einsatzleitung in der letzten halben Stunde vor dem Unglück vorlagen. Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller und die Axa-Versicherung legten unterdessen einen Soforthilfe-Fonds in Höhe von einer Million Euro für die Opfer an.
Mehr als 10 000 Menschen werden morgen um 11 Uhr zur Trauerfeier für die 21 Todesopfer der Loveparade in Duisburg erwartet. Das teilte gestern eine Sprecherin der Düsseldorfer Staatskanzlei unserer Zeitung mit. Der Trauergottesdienst findet in der evangelischen Salvatorkirche statt, wird aber auch auf Leinwände in und vor der MSV-Arena übertragen. Unter den 550 Gästen in der Kirche werden neben Angehörigen der Opfer auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Christian Wulff und Bundestagspräsident Norbert Lammert (alle CDU) sein.
Oberbürgermeister Adolf Sauerland hatte seine Teilnahme "aus hohem Respekt vor den Angehörigen und Opfern" bereits am Dienstag abgesagt.
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