Duisburg: Ein Akzente-Höhepunkt
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 22.05.2008Duisburg (RPO). So muss Hauptstadt-Theater sein. Und so sollte das Theatertreffen eines Landes-Festivals sein. Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ in der Inszenierung von Luk Perceval als Gastspiel der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz steht jetzt schon als einer der Höhepunkte der diesjährigen Duisburger Akzente „Was uns beschäftigt“ fest.
Als der Autor vor fast 60 Jahren seinen modernen Schauspiel-Klassiker schrieb, war der verbreitete Absturz aus der Mittelschicht noch ein amerikanisches Phänomen - inzwischen ist das etwas, das auch uns in Deutschland beschäftigt. Der belgische Regisseur hat das großartig auf den Punkt gebracht - nicht nur, weil im Text jetzt auch Begriffe wie „Digitalkamera“ und „Hartz IV“ vorkommen, weil die deutschen Fernseh-Nachrichten vom Tage zu hören sind.
Sondern vor allem, weil Willy Loman, der Handlungsreisende am Endpunkt, hier meist breit und fett auf dem Sofa hockt, mit seiner Familie, diese gleichfalls im Unterhemd, vor der Glotze. Kann sein, dass sich alles nur in seinem Kopf abspielt. Thomas Thieme gibt Willy grandios als groben Kotzbrocken, der vor seinem fröhlich-zynischen Jungchef (Christian Schmidt) zum kleinlauten Bettler zusammenschnurrt.
Besonders deutlich wird in dieser Interpretation, dass Willy als Vater versagt hat. Denn seine Söhne Biff und Happy sind ein sprachbehinderter Kleptomane und ein schwadronierender Blender. Großartig, wie Bruno Cathomas als Biff schließlich die Lebenslügen der ganzen Familie buchstäblich ausspuckt.
Faszinierend war schon das Bühnenbild von Katrin Brack in der verzauberten Beleuchtung von Mark van Denesse. Das „Wohnzimmer“ steht vor einem „Urwald“ aus gewaltigen Topfpflanzen. Was nicht nur theatertechnisch gute Auf- und Abgänge ermöglicht, vor allem für Willys Visionen der Vergangenheit (die für die Anderen Selbstgespräche sind), sondern auch ein schönes Bild ist unter anderem für das Gestrüpp, in das diese Familie geraten ist, aus dem nur Willys Selbstmord als Ausweg erscheint.
Das Schlussbild mit dem auf seinem Sofa „aufgebahrten“ Willy wirkt wie ein Renaissance-Gemälde. Selbst die zuvor so obszöne „Frau“ (Christina Geisse) erscheint nun quasi als Maria Magdalena.
Kurzer, aber heftiger Beifall.
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