Duisburg: Ein Bergheimer Vorbild
VON JULIAN WEIMER - zuletzt aktualisiert: 23.06.2008Duisburg (RPO). Alfred Hitz wäre am Samstag 100 Jahre alt geworden. Gemeinsam mit seinen Nachfahren feierte die Alfred-Hitz-Schule den Geburtstag des Kämpfers gegen den Nationalsozialismus mit einem historischen Rundgang.
In Essen geboren
Alfred Hitz wurde am 21. Juni 1908 in Essen geboren. 1924 zog er im Alter von 16 Jahren nach Rheinhausen und arbeitete als Bergmann in der Zeche Diergardt-Mevissen. Im Widerstand gegen Hitler schloss er sich dem Kreis der Widerstandsgruppe von Hermann Runge an, die in Hamborner Brotfabrik „Germania“ arbeitete und von dort aus Flugblätter verteilte. Alfred Hitz organisierte auch illegal die Parteiarbeit der SPD. Zusammen mit seiner Frau Christine unternahm er Kurierfahrten mit dem Fahrrad und verteilte Flugblätter. Diese Fahrten tarnten das Ehepaar als Ausflüge.
Alfred Hitz wohnte bis zu seiner Verhaftung am Grabenacker 122.
Am 24. Juni 1935 wurde er von der Gestapo verhaftet, in den folgenden Tagen gefoltert und starb am 4. Juli 1935.
bergheim „Ich habe gesagt, er sei im Bergwerk umgekommen, das muss man sich mal vorstellen“, liest der Schüler Tolga Salih Saglam ruhig von einem Blatt ab. „Immer aus Angst, dass man selber geholt wird“, fährt er fort. Der Text, den er am Gedenkstein für Alfred Hitz auf dem Trompeter Friedhof vorträgt, stammt von Christine Spanier, die eben diesen Alfred Hitz 1935 geheiratet und einen Sohn von ihm bekommen hat. Es ist eine verzweifelte Erinnerung an den Tod ihres Mannes, der Flugblätter verteilt und Widerstandstreffen organisiert hatte. „Selbstmord durch Erhängen“, so hieß es in der offiziellen Version der Polizei damals. Doch Alfred Hitz’ Frau Christine beschreibt in ihren Briefen auch, wie sie gegen ein Verbot den Sarg öffnete und die Folterspuren an Alfred entdeckte.
„Nichts ist vergessen“
Für die Nachfahren von Alfred und Christine Hitz ist es sicher nicht leicht, dass diese Erinnerungen wieder wach gerüttelt werden. Und doch sind sie gerne erschienen. Christe Bruckschen ist eine Tochter aus Christines zweiter Ehe. „Meine Mutter hat da so drunter gelitten, das bin ich meinen Eltern schuldig, dass ich heute hier bin“, sagt sie. Ihr Mann Manfred ist zum Friedhof mitgekommen. „Mein Vater hat Alfred Hitz damals gekannt und sie haben zusammen gearbeitet“, erinnert er sich. „Auch er ist von den SA-Leuten weggeholt und zusammengeschlagen worden.“ Dass die Schüler sich auch heute noch immer wieder mit dem Thema beschäftigen, ist für Christe und Manfred Bruckschen eine gute Sache. Die Schule hat am Grab eine weiße Schleife aufgehängt, die ihnen Mut macht: „Nichts ist vergessen“.
„Wahrscheinlich nimmt der normale Rheinhauser das gar nicht wahr, wer Alfred Hitz war“, sagte Schulleiterin Barbara Laakmann während des Rundgangs. Viele wüssten nicht von dem Alfred-Hitz-Platz in Bergheim, von dem Stolperstein, der seit einigen Jahren in der Straße Grabenacker 122 in den Boden eingelassen ist und von der Gedenktafel auf dem Friedhof. „Wir sorgen ein wenig dafür, dass seine Geschichte bekannter wird.“ Außerdem wachse das Interesse der Schüler am Geschichtsunterricht und mit dem Beispiel Alfred Hitz auch die Toleranz.
Regina Ehmcke, deren Sohn Thorsten gerade die fünfte Klasse der Hauptschule besucht, war auf Einladung zu dem historischen Rundgang gekommen. „Ich wusste noch gar nichts über Alfred Hitz“, gab sie zu. „Der Rundgang war richtig interessant.“ Von dem Konzept der Schule war sie an diesem Tag mehr denn je überzeugt. „Mir ist das wichtig, dass mein Sohn an eine solche Schule geht. Wir leben in einer Multikulti-Gesellschaft.“ Da müsse man für alles offen sein. Dass Alfred Hitz seinen Widerstand mit dem Leben bezahlt hat, findet sie zwar schade. „Aber dass er sich für das, was er glaubte, eingesetzt hat, ist gut.“
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