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Duisburg: Ein Blick in die Zukunft

VON HILDEGARD CHUDOBBA - zuletzt aktualisiert: 07.02.2009

Duisburg (RPO). Duisburg wird wie in den vergangenen Jahren auch künftig Einwohner verlieren und muss sich überlegen, was gegen eine sich abzeichnende Überalterung ganzer Stadtteile zu tun ist.

Das Jahr 2027: In Walsum und Buchholz, in Rumeln Kaldenhausen und Großenbaum herrscht (bevölkerungspolitisch) "tote Hose". Das Leben pulsiert in Hochheide und Hochfeld, in Bruckhausen und Marxloh. Kinder sind Mangelware, und Rentner gibt es reichlich. Die katholischen und evangelischen Kirchen in der Stadt kämpfen gegen den Leerstand ihrer Gotteshäuser, und Duisburger mit Migrationshintergrund sind eher die Regel als die Ausnahme.

So muss es nicht, aber so könnte es aussehen, entwickelt sich Duisburg so wie in den vergangenen Jahren. Dort, wo der Migrantenanteil heute schon hoch ist, werden Familien mit Kindern wohnen. Da, wo sich heute die Duisburger niederlassen, die ein Häuschen gebaut haben, bestimmen Senioren den Alltag.

Roland Richter vom Amt für Statistik und Stadtforschung wagt am Donnerstagabend im "Kleinen Prinzen" den Blick in die Zukunft. Das spröde klingende Thema "Demographische Entwicklung Duisburgs" packte er so gekonnt an, dass die etwa 50 Zuhörer einen richtig spannenden Abend erlebten. Unter ihnen waren etliche, die sich derzeit in den Bürgerforen "Duisburg 2027" engagieren, in denen über die Zukunft der Stadt deren künftiges Aussehen diskutiert wird.

Knapp 500 000 Einwohner hat Duisburg heute, im Jahr 2027 werden es vielleicht nur noch 435 000, im günstigsten Fall 478 000 sein. Abhängig ist das unter anderem von weltpolitischen Ereignissen, die immer schon auf demografische Entwicklungen wirkten, wie Richter zeigte.

Duisburg wächst und schrumpft

Industrialisierung im 19. Jahrhundert: Duisburgs Einwohnerschaft wächst rasant; Erster und Zweiter Weltkrieg: Duisburg schrumpft; 60er Jahre: deutsche Unternehmen holen sich ausländische Mitarbeiter, die Einwohnerzahl schnellt nach oben; Balkankrieg, Zusammenbruch der DDR, Öffnung der Grenzen zum Ostblock – prognostizieren ließ sich das alles nicht und konnte somit auch nicht in Vorhersagen eingearbeitet werden.

Dass in der Stadt die Frauen allerdings immer seltener (und immer weniger) Kinder bekommen, das ist eine Entwicklung, die sich seit Jahren zeigt und für die kommenden Jahre eingerechnet werden kann, genau so wie die steigende durchschnittliche Lebensdauer der Menschen.

Alle Risiken von Prognosen berücksichtigt, ist es allerdings sehr wahrscheinlich, dass Duisburg in den nächsten 20 Jahren kleiner, älter und "bunter" (steigender Migrantenanteil) wird. Ebenso ist schon heute erkennbar, dass die Zahl der Katholiken und Protestanten von heute noch knapp 300 000 auf 200 000 sinken wird und im gleichen Zeitraum die derjenigen, die keiner oder einer anderen Konfession angehören steigt. Fakt ist, dass heute auf 100 Erwerbstätige in Duisburg 32 Rentner kommen. Und in 20 Jahren? Dann werden 100 Erwerbstätige für 46 Renten arbeiten müssen – wenn sich an den vorhandenen Stadtstrukturen nicht Entscheidendes ändert.

Doch Duisburg will in frischerem Zustand das Jahr 2027 erreichen. "Nicht die Menge unsere Infraststruktur ist entscheidend, sondern deren Qualität", sagte bei der Veranstaltung Martin Linne, Planungsamtsleiter. Sprich: Duisburg muss so attraktiv sein, dass sich der Schrumpfungsprozess verlangsamt. Die Basis dazu könnten die junge Leute liefern, die sich in der Stadt ausbilden lassen oder zur Uni gehen.

Wichtig: Alleinstellungmerkmal

Sie fallen schon heute in der Bevölkerungsstatistik auf, weil sie einen gewichtigen Anteil bei den Zuzügen ausmachen. Doch ist die Lehre oder das Studium beendet, dann verlassen sie die Stadt wieder, weil Duisburg für sie nicht genug zu bieten hat. "Düsseldorf zum Beispiel wird seit Jahren immer jünger, weil junge Leute es hipp finden, in der Landeshauptstadt zu wohnen", so Richter. Ebenso sollte auch Duisburg versuchen, sich ein Image zu verschaffen, das die Stadt deutlich von anderen in der Nachbarschaft abhebt.

Ob das aber wirklich positiv auf die demografische Entwicklung wirkt, vermochte Richter nicht vorherzusagen.

Zum Abschluss seines Referates gab er schmunzelnd seinen Zuhörern einen guten Rat mit auf den Weg: "Vertrauen Sie keiner Prognose!"

Quelle: RP

 
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