Duisburg: Ein Buch des Widerstands
VON STEFAN OSSENBERG - zuletzt aktualisiert: 11.03.2009Duisburg (RPO). "COntra-Pipeline"-Mitglied Konrad Wilms hat ein Buch geschrieben, in dem er aus seiner Sicht mit den Behauptungen der Landesregierung und der Bayer AG zur Frage des Allgemeinwohls der CO-Leitung abrechnet.
Seitdem die CO-Pipeline gebaut wird, versuchen Anwohner der Trasse sich gegen diese und die Entscheidung der Landesregierung, die Leitung aus Gründen des Allgemeinwohl zu bauen, zur Wehr zu setzen. Seit neuestem auch mit einem Buch.
"CO-Pipeline – Als in NRW das Wohl der Allgemeinheit abgeschafft wurde", heißt die 74-seitige Auseinandersetzung von Konrad Wilms, die sich mit den Geschehnissen rund um die Giftgasleitung, die im Duisburger Süden schon liegt und bald in Betrieb genommen werden soll, beschäftigt. Das Mitglied der Bürgerinitiative "COntra-Pipeline" (BI) hat sich monatelang an den Schreibtisch gesetzt und seine Gedanken und Bedenken zu Papier gebracht.
Im Zentrum von Wilms Überlegungen steht dabei das Gutachten von Professor Dr. Helmut Karl (Ruhr Universität Bochum), der eine betriebswirtschaftliche Analyse der Kohlenmonoxid-Leitung vornahm und zu dem Schluss kam, dass ein Nichterrichten der Leitung dazu führe, dass Tausende von Arbeitsplätzen verloren gehen würden. Um das Allgemeinwohl zu sichern, müsse, so Karls, die Pipeline gebaut werden. Falsch, meint Wilms, denn Allgemeinwohl sei nicht durch wirtschaftliche Interessen, sondern durch das Wohl der Bürger zu definieren. Wilms Argumente? Die CO-Pipeline berge ein genauso großes Risiko wie der 11. September.
Die Bayer AG, die die Pipeline baut, spiele russisches Roulette. Der Unterschied zwischen einer Erdgasleitung und einer CO-Pipeline bestehe in der Gefahr, dass im Falle eines Falles nicht nur einige Menschen, sondern Tausende, wenn nicht sogar Zehntausende betroffen sein könnten. Auch mit der Trassenwahl beschäftigt sich Wilms. Diese entlang eines Wohngebiet verlaufen zu lassen, weil eine Verlegung durch ein südlicher liegendes Wasserschutzgebiet ökologisch nicht zu rechtfertigen wäre, sei perfide und zeige, welche Maßstäbe beim Schutz der Bürger angelegt werde.
"Bayer hat selbst ein Gutachten anfertigen lassen, das bescheinigt, dass eine Verlegung durch ein Wasserschutzgebiet als möglich ansieht, hat jedoch kurz danach diese Möglichkeit wieder ausgeschlossen. Bei der momentanen Trassenführung haben sich die Verantwortlichen dafür entschieden, Bio-Leben gegen Leben von Ungelsheimern einzutauschen", sagte nun BI-Sprecher Erich Hennen unserer Zeitung. Hennen hat das Vorwort zum Buch geschrieben. Mit Blick auf den ersten Prozess in der Pipelinefrage, der im Mai startet, sei das Buch als ein Gegengutachten zu Karls Analyse zu verstehen.
"Doch für ein Gutachten brauchen sie eigentlich auch einen staatlich anerkannten Gutachter. Den haben wir nicht. Deshalb haben wir uns entschieden, unsere Argumente in Buchform herauszubringen, so das diese an die Öffentlichkeit zu gelangen", so Hennen.
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