Duisburg: Ein Hecht im Kulturteich
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 24.02.2010Duisburg (RPO). Vom 26. Februar bis 24. Mai zeigt das Museum Küppersmühle Werke von Olaf Metzel. Der Provokateur in der deutschen Kunstszene arbeitete mit Duisburger Schülern zusammen und plant eine 20 Meter hohe Hafen-Skulptur.
Noch nie zuvor hat man Walter Smerling, den Direktor des Museum Küppersmühle, so polternd erlebt: Es sei ein Skandal, mit welchen Sparmaßnahmen die Stadt die "angebliche Wirtschaftskrise" bekämpfen wolle. Da werde die Schließung des Filmforums riskiert, und da werde eine neue Bibliothek nur unzureichend ausgestattet. Da sei man ja fast geneigt, die Baseball-Schläger, die Olaf Metzel in seiner bildhauerischen Installation "Noch Fragen?" einmontiert hat, auf unangemessene Weise zu nutzen... Olaf Metzel, der gestern zur Pressevorbesichtigung seiner Ausstellung in die Küppersmühle gekommen war, nickte Walter Smerling, den er schon seit mehr als 20 Jahren kennt und duzt, kaum merklich, aber aufmunternd zu. Poltern passt nämlich zu Metzler, der in der deutschen Kunst als Provokateur gilt.
Auch im Lehmbruck
Ergänzend zur Ausstellung im Museum Küppersmühle zeigt das Lehmbruck-Museum drei weitere Werke von Olaf Metzel. Das Museum Küppersmühle ist geöffnet: Mittwochs von 14 bis 18 Uhr, donnerstags von 11 bis 18 Uhr, freitags nur nach Vereinbarung, samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Tel. 0203 30194811.
"ichhasseschule"
Olaf Metzel, 1952 in Berlin geboren und seit 20 Jahren Professor an der Kunstakademie in München, verstand die Duisburger Ausstellung, die zugleich ein musealer Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr ist, als Herausforderung. Wie kaum ein anderer auswärtiger Künstler beschäftigte er sich mit der Region, in der er seine Arbeiten zeigt. So ließ er sich nach München die Duisburger Tageszeitungen schicken, um zu erfahren, "was hier in der Stadt abgeht". Die Zeitungen wurden Teil einer Installation. Spektakulär ist seine Zusammenarbeit mit Duisburger Schülern. Für seine Raum-Installation "ichhasseschule" bat er Schüler des Sophie-Scholl-Berufskollegs Schul-Tische und Bänke zu malträtieren und mit mehr oder weniger aggressiven Sprüchen zu versehen. Was sonst heimlich und unter Strafandrohung geschieht (manche Schulen verhängen Geldstrafen wegen "Vandalismus") wurde jetzt Kunst.
Fast versöhnlich wirkt da seine Skulptur "Schicht im Schacht". Olaf Metzel hat dabei das Logo für das Kulturhauptstadtjahr ins Dreidimensionale übertragen. Die Metallkonstruktion ist mit Lichtspielen versehen, die ein wenig an die Illumination von Jonathan Park im Landschaftspark erinnert. Die Skulptur, die nun in einem abgedunkelten Raum des Museums Küppersmühle steht, ist nicht nur als autonomes Kunstwerk gedacht, sondern zugleich als Modell für einen 15 bis 20 Meter hohen (Smerling), 20 bis 25 Meter hohen (Metzel) Turm, der im Duisburger Hafen stehen soll. Smerling will versuchen, Sponsoren für die Realisierung zu finden.
Eröffnet wird die Ausstellung am Donnerstag, 19 Uhr. Es spricht dabei Fritz Pleitgen, Geschäftsführer der Kulturhauptstadt. Das ist nicht ohne Pikanterie. Denn gestern sagte Olaf Metzel, dass er die Eröffnung des Kulturhauptstadtjahrs als "Beleidigung" der Ruhrregion empfand.
Siehe auch Kulturseite.
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