Duisburg: Ein Schlag über Nacht
VON MIKE MICHEL - zuletzt aktualisiert: 16.06.2008Duisburg (RPO). Die Stroke Unit der Neurologischen Klinik ist mit ihren acht Betten zur Behandlung von Patienten mit akutem Schlaganfall eingerichtet. Hier kommt es auf die Geschwindigkeit an: Die ersten Stunden sind entscheidend.
Sie war erst 17 Jahre alt, konnte nur noch die Augen öffnen und schließen. Arme und Beine waren gelähmt. „Die klassische Kombination von Pille und Rauchen“, sagt Chefarzt Dr. Holger Grehl. Beides zusammen ist nicht ungewöhnlich als Ursache für einen Schlaganfall. Das Alter der Patientin dafür ist schon ungewöhnlich. „Schlaganfall ist meist schon eine Krankheit des Alters“, erklärt Grehl. Und da wir alle immer älter werden, erkranken wir auch immer häufiger an Schlaganfällen. Von 1000 Einwohnern in Deutschland erkranken statistisch gesehen fünf an Schlaganfällen. „Wer erst einmal einen hat, hat in der Folgezeit ein 20- bis 30-fach höheres Risiko, erneut einen Schlaganfall zu erleiden“, so Grehl. Rund 700 Fälle werden auf der Station im Evangelischen Krankenhaus Duisburg-Nord jährlich behandelt.
Entscheidend sind die ersten Stunden. In den ersten drei bis sechs Stunden nach einem Schlaganfall können Blutgerinsel noch aufgelöst und schlimmere Folgen wie zum Beispiel Einblutungen ins Gehirn vermieden werden. Die Lyse-Therapie setzt darauf, die Blutflüssigkeit zu erhöhen und so verstopfte Gefäße zu verhindern. Das geschieht entweder per Katheter oder mit blutverdünnenden Mitteln. Daneben ist die wichtigste Aufgabe der Stroke Unit, den Patienten zu überwachen. „Das ist aufwändig und personalintensiv, zeigt aber auch Erfolge“, so der Chefarzt. Unter anderem werden Blutdruck, Puls und Temperatur permanent überwacht. Ziel ist es dabei, die Werte möglichst optimal zu halten – das kann helfen, die Spätfolgen zu minimieren.
15 Prozent Sterberate
Früher galt die Viertel-Regelung: Ein Viertel der Schlaganfall-Patienten überstand den Vorfall völlig unbeschadet, ein Viertel konnte mit leichten Einschränkungen wieder ins normale Leben zurück. Bei der anderen Hälfte sah es schlimmer aus: 25 Prozent behielten schwerwiegende körperliche Schäden wie Halbseitenlähmungen oder Wortfindungsstörungen, weitere 25 Prozent starben. „Diese Zahlen haben sich grundlegend gebessert“, erläutert der Chefarzt. Heutzutage sterben noch 15 Prozent an den direkten Folgen eines Schlaganfalls, viel mehr Erkrankungen gehen vergleichsweise glimpflich aus.
Die Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind hinlänglich bekannt: Arteriosklerose, Diabetes, Übergewicht, zu hohe Cholesterinwerte, Rauchen. Die Durchblutungsstörung im Gehirn selbst kommt dagegen völlig überraschend: „Dann wachen Sie morgens auf und können eine Körperhälfte nicht mehr bewegen, weil sie einen Schlaganfall hatten.“
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