Duisburg: Ein Zeichen für das Leben
VON KATHARINA SCHMELLER - zuletzt aktualisiert: 10.11.2008Duisburg (RPO). Kinder der Gemeinde St. Stephanus in Ungelsheim bemalten einen Kindersarg für Tot- und Fehlgeburten. Das Projekt „Kinderhimmel“ unterstützt Eltern früh verstorbener Kinder bei der Beisetzung.
Ungelsheim Kinder und Tod sind für viele Menschen Themen, die nicht zusammenpassen. Erwachsene schirmen Kinder gerne von der Realität der Vergänglichkeit des Lebens ab und halten den Tod für ein Tabuthema. So bringt der natürliche Wissensdrang von Kindern und ihr Interesse an dem Thema Erwachsene oftmals in Verlegenheit, weiß Pfarrer Bernfried Ludwig von der Gemeinde St. Stephanus: „Insbesondere bei den neun- bis zwölfjährigen Kindern besteht ein ausgeprägtes Interesse an dem Thema und eine Faszination für das Unheimliche. Auch in diesem Alter wird das Sterben schon verstanden. Unabhängig davon, wie viel sie verstehen, trauern Kinder intensiv und werden mit ihrer Trauer nicht selten alleine gelassen. Bei den meisten Kindern ist der Tod des geliebten Haustieres der erste Kontakt mit dem Ende des Lebens.“ Pfarrer Ludwig hat das Thema Tod mit den angehenden Kommunionkindern der Gemeinde besprochen und sie auf eine besondere Aktion behutsam vorbereitet. Elf Kinder der Gemeinde haben einen Kindersarg bemalt, in dem Tot- und Fehlgeburten in einer Sammelerdbestattung beerdigt werden.
Kinderhimmel
Der „Förderverein Duisburger Bestattungskultur“ hat im Jahr 1999 das Projekt „Kinderhimmel“ zusammen mit dem damaligen Chefarzt der Pathologie am Evangelischen Bethesda Krankenhaus, Professor Hans-Jürgen Knieriem, ins Leben gerufen. Der Grund für diese Initiative lag an der fehlenden Bestattungspflicht für Tot- und Fehlgeburten in NRW. Der Förderverein stellt kleine Kindersärge zur Verfügung, die von Hebammen, Kindergärten oder Schulen, gestaltet werden. Etwa 22 - 26 Kinder werden in einer Sammelerdbestattung beigesetzt. Die Kinder sind hierbei in extra angefertigten Holzfächern separat angeordnet. Die Sammelerdbestattungen sind für die Eltern kostenfrei und finden regelmäßig alle drei Monate statt.
Die Idee zu der Aktion kam Pfarrer Ludwig am Tag des Friedhofs im vergangen September, als er von dem Projekt „Kinderhimmel“ erfuhr. Er fand, es sei eine gute Gelegenheit, seine Kommunionkinder mit dem Thema Tod auf eine spielerische Art zu konfrontieren.
Keine Berührungsängste
Dabei sollten die Kinder ihre ganz persönlichen Botschaften auf den Sarg malen. Die neunjährige Gina malte einen Teddy, „damit die Kinder im Himmel was zum Spielen haben“. Isabel hatte da eine andere Idee: „Ich habe einen Himmel und ganz viele Sterne gemalt, weil wir früher oder später alle mal nach oben kommen“.
Von Berührungsängsten sei bei den Kindern von Anfang an nichts zu spüren, erzählt Katechetin Manuela Mohr, die im Vorfeld mit Kindern und Eltern über die Sargbemalung gesprochen hatte. Im Gegenteil, den Kindern machte die Aktion sichtlich Spaß. Am Samstag wurde der Sarg beim Familiengottesdienst zum Thema „Alles stirbt – Gott lässt leben“ neben dem Altar aufgestellt und weiter bemalt. In dem mit Herbstlaub ausgelegten heiligen Ort erklärten die Kinder den zur Familienmesse erschienenen Besuchern die persönliche Bedeutung ihrer Bilder auf dem Sarg,
Sarg stand neben Altar
Da erzählte die achtjährige Saskia, warum sie ein Herz als Motiv ausgewählt hat: „Weil ich weiß, dass Gott alle Menschen lieb hat.“ Die gleichaltrige Lena hatte eine andere Idee. Sie malte eine leuchtende Kerze auf das Holz des Kindersarges. Warum? „Das ist ein Zeichen für das Leben.“
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