Duisburg: Eindrucksvoll „normal“
VON PETER KLUCKEN - zuletzt aktualisiert: 07.05.2007Duisburg (RPO). Die Eröffnung der 30. Duisburger Akzente in der Kraftzentrale gehörte zu den besten des Traditionsfestivals. Die Aufführung der Philip-Glass-Oper nach den Reden war ungewöhnlich, aber nicht zuviel.
Die Eröffnung der diesjährigen „Normal“-Akzente erforderte ein ungemein hohes Maß an Vorbereitungen – und Risikobereitschaft. Immerhin stand nach den Reden von Oberbürgermeister Adolf Sauerland, NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff und Heiner Geißler die Aufführung einer kompletten Oper auf dem Programm. Und zwar einer ungewöhnlichen, nämlich Philip Glass’ „The CIVIL warS“. Unser Fazit: Der Einsatz der Organisatoren, wozu auch das Werben von Sponsoren gehörte, hat sich gelohnt.
Nichts sei langweiliger als ein Festival, das Jahr für Jahr immer das Gleiche bietet, hatte Oberbürgermeister Adolf Sauerland in seiner Begrüßung gesagt, um fortzufahren: Die Akzente waren nie normal. Staatssekretär Grosse-Brockhoff hob die Rolle der Künstler hervor, deren Aufgabe es sei, Normen in Frage zu stellen. In Rückblick auf die deutsche Geschichte, in der sich die Obrigkeit mit zum Teil schrecklichen Konsequenzen auf das angeblich „gesunde Volksempfinden“ berief, mahnte Grosse-Brockhoff die Förderung von Kunst und Künstlern an, „auch wenn uns manches als Zumutung vorkommt“.
Heiner Geißlers Festansprache, in der das von falschen Normen verursachte Leid der Menschen im Mittelpunkt stand, konnte man auch als Überleitung zur Opernaufführung verstehen. Philip Glass’ „The CIVIL warS“ spielt auf den amerikanischen Bürgerkrieg an, der bekanntlich eng mit der Sklavenfrage verbunden war. Die damaligen Sklaven-haltenden Südstaaten waren in einer Ideologie befangen, die Geißler zuvor als „perversen Bazillus, der in den Köpfen spukt“ bezeichnet hatte. Das Faszinierende und auch Irritierende an „The CIVIL warS“ ist, dass der amerikanische Bürgerkrieg zwar als historisches Ereignis zitiert wird, zugleich aber eine symbolische Ausdehnung bekommt. So werden auch die drei männlichen Protagonisten, Abraham Lincoln, der Südstaaten-General Robert E. Lee und der italienische Freiheitskämpfer Garibaldi zu Sinnbildern eines höchst zweifelhaften Kriegsheldentums. Bei der Inszenierung des Freiburger Aktionstheaters PAN.OPTIKUM wurden die Möglichkeiten der riesigen Kraftzentrale sinnvoll genutzt. Das zunächst heiter-karussellhaft wirkende Verschieben des Publikums, das in Gruppen aufgeteilt auf fahrbaren Podesten saß, hatte einen bitterbösen Hintersinn: Wir „spielten“ Soldaten, die wie Truppen immer mal wieder verschoben werden. Und auch sonst beeindruckten die symbolischen Bilder, die andeuteten, wie aus lebendigen Menschen Kriegsmaterial wird.
Für die Solisten, den Chor und die Duisburger Philharmoniker, die unter Leitung der Glass-Spezialistin Karen Kamensek spielten, gab es einen Riesen-Schlussapplaus. Schade, dass diese „The CIVIL-warS“-Inszenierung nicht wiederholt wird. Oder? (Kulturseite)
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